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Alexander Karle
Alexander Karle
11.07.2017

Landgericht schätzt Karles Liegestützen auf katholischem Altar als Kunst ein

Saarbrücken. Wer auf den Altar einer katholischen Kirche klettert, darauf 28 Liegestütze macht und einen Videofilm der Aktion öffentlich zeigt, macht sich nicht wegen Störung der Religionsausübung strafbar. Zu dieser Einschätzung ist gestern das Landgericht Saarbrücken in einem Berufungsprozess gekommen. Es hob damit das Urteil des Amtsgerichts vom Januar gegen den Videokünstler Alexander Karle auf, der für diese Aktion zu einer Geldstrafe von 700 Euro verurteilt worden war

Anders als die Staatsanwaltschaft und das Amtsgericht betrachtete die Kammer die Aktion von Karle (39) als Ausübung seiner künstlerischen Tätigkeit und nicht als „beschimpfenden Unfug“.

„Kunst ist das, was der Künstler als Kunst bezeichnet“, erklärte der Richter in seiner Begründung, „und es steht uns nicht an, Herrn Karle das abzusprechen“ – ungeachtet dessen, ob diese Kunst gefalle oder provoziere. Bei der Aktion möge es sich zwar um Unfug gehandelt haben, aber es fehle in jedem Falle „der beschimpfende Charakter“. Karle sei „dezent, ruhig und zurückhaltend“ vorgegangen. Allerdings habe sich der Angeklagte, als er im Januar 2016 über eine Kordel in den Altarraum der Basilika St. Johann stieg, des Hausfriedensbruchs schuldig gemacht. Dies sei nicht durch Kunstfreiheit gedeckt. Deshalb sprach das Gericht eine Verwarnung aus, zudem erhielt er die Auflage, 500 Euro an eine Caritas-Jugendeinrichtung zu zahlen, und eine weitere Strafe von 500 Euro, falls er gegen die Bewährung verstoße.