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In der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe das Werk „In der Wüste Araba“ aus dem Jahr 1882 von Eugen Bracht gezeigt. Es ist Teil der Ausstellung „Unter freiem Himmel. Landschaft sehen, lesen, hören“. Deck/SKK 

Landschaften lesen: Staatliche Kunsthalle Karlsruhe zeigt die Schau „Unter freiem Himmel“

„Wir müssen Werke der Geschichte in die Gegenwart übersetzen“ – eigentlich eine Selbstverständlichkeit, die Pia Müller-Tamm da formuliert. Doch die wie Staatliche Kunsthalle Karlsruhe das macht, ist anders, spannend, überraschend und ein Publikumsmagnet.

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Staatliche Kunsthalle Karlsruhe zeigt die Schau „Unter freiem Himmel“

Von Samstag an sind 61 Landschaftsbilder in der Schau „Unter freiem Himmel“ zu sehen – Werke vom 15. Jahrhundert bis in die Gegenwart, von berühmten Künstlern wie Courbet, Cézanne, Marc, Magritte, Miró und Daniel Roth, mit Texten von teils nicht minder berühmten Autoren. Und genau dieses Zusammenspiel macht den Reiz aus – zumal nicht nur Dramatiker und Lyriker sich intensiv mit ihrem Wahlbild auseinandergesetzt haben, sondern auch Wissenschaftler und Naturschützer. Sie alle bieten ihre ganz eigene Leseart der Landschaft an – nachzulesen im Katalog oder mitzuhören im Audioguide. Der enthält über sieben Stunden Material – eine Aufforderung, sich die Ausstellung gleich mehrfach anzuschauen oder seine Landschafts-Favoriten herauszupicken.

„Der Mensch wird zum Werwolf im Mondlicht, gibt sich Vampiren hin, vergisst, was er am Tage ist, schreibt etwa Kinder- und Jugendbuch-Autorin Cornelia Funke („Tintenherz“) über das Bild von Johan Christian Clausen Dahl – und setzt mit jede Menge Assoziationen frei: Wer sind diese Fischer auf der „Elblandschaft bei Dresden im Mondschein“? Und warum entfachen sie ihre Feuer? Nur für die Wärme oder doch auch zur Warnung?

Aus wissenschaftlicher Sicht betrachtet hingegen der Ökologe Bruno Streit das Bild „Hospiz auf dem Grimselpass“ von Joseph Anton Koch: „Wo unser Maler stand, ruht heute eine Wassermasse von 100 Millionen Kubikmetern, die den Stromhunger der Menschen im Unterland zu stillen hilft.“