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Lars von Trier . Foto: dpa
Lars von Trier . Foto: dpa
16.05.2018

Lars von Trier wird in Cannes gefeiert

Cannes. Mit erhobenem Kopf und gerade durchgestrecktem Rücken betritt der dänische Regisseur Lars von Trier den Festivalpalast in Cannes. Er ist zurück, nach sieben Jahren der Verbannung. Die Gäste im Saal springen auf und begrüßen den 62-Jährigen mit minutenlangen Standing Ovations.

Doch da ahnen sie noch nicht, was gleich auf sie zukommt: Von Triers neues Werk „The house that Jack built“ ist eine so schwarze Komödie über einen Serienmörder, dass einige Galagäste den Saal frühzeitig verlassen und andere am Ende noch in den wieder minutenlangen Beifall der Menge hineinbuhen. Von Trier, der 2011 nach Nazi-Äußerungen in Cannes zur Persona non grata erklärt worden war, ist in den vergangenen Jahren deutlich gealtert. Seinem Film aber merkt man keinen Energieverlust an. Stattdessen zieht der Regisseur dort für die Zuschauer immer weiter die Daumenschrauben an.

Zuerst muss Uma Thurman dran glauben und sitzt mit eingeschlagenem Kopf da. Kurz darauf wird die nächste Frauenleiche so lange über eine Straße geschleift, bis nichts mehr von ihrem Gesicht übrig ist. Als dann einem Entenküken ein Bein abgeschnitten wird, gehen die ersten Kinobesucher. Eine größere Abwanderungswelle setzt ein, als Mörder Jack zwei Kinder erschießt.

Das Enfant terrible der europäischen Filmszene zeigt damit einmal mehr, dass es provozieren kann. Vor allem die explizite Gewalt gegen Frauen wird an diesem außer Konkurrenz gezeigten Cannes-Beitrag wieder heftig kritisiert werden.

Doch wie auch in seinen früheren Werken „Melancholia“ oder „Dogville“ versieht der 62-Jährige sein Werk mit einer philosophischen und gesellschaftskritischen Ebene: Aus dem Off unterhält sich Jack (Matt Dillon) mit der Stimme von Bruno Ganz und sinniert über Familie, Kunst, das Tierreich, das Wegschauen der Menschen.