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Van Morrison
Van Morrison
28.09.2016

„Lasst mich nur singen!“: Van Morrisons Herbst-Album

Ein kleiner, oft muffelig wirkender Mann mit einer der größten, strahlendsten Stimmen der Popmusik: Van Morrison vereint Gegensätze. Sein neues Album, das am Freitag erscheint, fordert: „Lasst mich nur singen!“.

Die Melodien sind prachtvoll – Morrisons Stimmung ist es eher nicht. Die 13 Lieder auf „Keep Me Singing“, darunter zwölf aus eigener Feder, spiegeln passend zur Jahreszeit ihrer Veröffentlichung den Karriereherbst eines der größten Songschreiber der Popmusik wider.

Denn herbstlich klingen das siebenminütige „Out In The Cold Again“, die an irische Volksmusik erinnernde Ballade „Memory Lane“, das in Erinnerungen an weit zurückliegende Zeiten schwelgende „In Tiburon“. Songs wie langsam herabschwebende goldbraune Blätter – wunderschön und zugleich tief melancholisch.

Zwar sind mit „The Pen Is Mightier Than The Sword“ und „Going Down To Bangor“ auch Uptempo-Nummern auf dem nach offizieller Zählung 36. Studioalbum von Van Morrison vertreten. Und zum Schluss bläst der Mann aus Belfast für das tatsächlich sehr beschwingte Instrumental „Caledonia Swing“ gleich selbst ins Saxofon. Doch insgesamt bleibt die Stimmung dieser Platte, im Gegensatz zum zupackend jazzigen Vorgänger „Born To Sing: No Plan B“ (2012), nachdenklich-verhalten.

Der Sänger spart sich deshalb auch alle Versuche, die weiterhin spürbare Urgewalt seines Gesangs wie einst voll auszureizen. Vielmehr gleitet Morrisons Stimme in der Manier eines Nachtclub-Crooners elegant und entspannt durch die mit Streichern und Bläsern ausgepolsterten Harmonien – man kann sich gut vorstellen, dass der korpulente Anzugträger, der in diesem Sommer bei den Jazz Open in Stuttgart gefeiert wurde, bei den Aufnahmen von „Keep Me Singing“ zu keiner Sekunde ins Schwitzen geraten ist.