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Ein großes Hörvergnügen – auch ohne Bühnenbild: „Le nozze di Figaro“ im Festspielhaus.   festspielhaus
Ein großes Hörvergnügen – auch ohne Bühnenbild: „Le nozze di Figaro“ im Festspielhaus. festspielhaus
20.07.2015

„Le Nozze Di Figaro“ mit Star-Besetzung in Baden-Baden

Konzertant aufgeführte Opern gelten oft als halbes Vergnügen. Wie man eine Oper auch ohne Bühnenbild zu einem herrlichen Vergnügen macht, zeigt die Aufführung von „Le nozze di Figaro“ in Baden-Baden. Im Festspielhaus ergibt diese Oper Mozarts dank des spielfreudigen Ensembles ein brillantes Saisonfinale.

Frauen gegen Männer, Unter- gegen Oberschicht, jeder gegen jeden: Bevor Titelheld Figaro seine geliebte Susanna heiraten kann, müssen verbale Kämpfe an diversen Fronten gewonnen werden. Die Solisten zaubern daraus eine temporeiche Komödie mit psychologischer Tiefe und spritzigen Ensemblenummern.

Luca Pisaroni singt den Figaro mit zahlreichen Facetten. Er kann seine Wut sogar zwischen zusammengebissenen Zähnen heraus singen und hält eine perfekte Balance zwischen Komödiantentum und Charaktertiefe. Denn so sicher und souverän, wie Figaro nach außen tut, ist er nicht. Ob Susanna nicht doch den Avancen des Grafen Almaviva nachgibt?

Locken und Drohen

Pisaronis Schwiegervater Thomas Hampson gibt einen ausgesprochen präsenten Grafen mit schillerndem Charakter. Hampsons ausgereifte Stimmführung und Bühnenerfahrung vermitteln das Locken und Drohen, das aufbrausende Temperament und auch die Selbsterkenntnis des Almaviva. Seine Verliebtheit in Kammerzofe Susanna steigert sich zu einer Obsession.

Susanna, das Objekt männlicher Begierde in diesem Stück, wird von Christiane Karg sehr feinsinnig gesungen. Mit ihrem schlanken Sopran gelingen ihr die rasanten Parlando-Passagen ganz hervorragend. Susanna muss meist sehr schnell denken, um die Situation zu retten. Zu allem Überfluss kommt ihrem Versuch, den Grafen auszutricksen, ständig Page Cherubino in die Quere. Angela Brower verleiht dem pubertätsgeplagten Pagen einen herrlich runden Mezzosopran. In dem Intrigenspiel der anderen wirkt Gräfin Almaviva immer ein wenig verloren. Sonya Yoncheva unterstreicht den psychischen Druck, unter dem die Gräfin leidet.

Überaus lebendiges Spiel

Zum blendend aufgelegten Ensemble und dem professionell singenden Vocalensemble Rastatt kommt ein inspiriertes Orchester. Unter der lebendigen Leitung von Yannick Nézét-Séguin wird dirigiert, als wolle er Klang mit Händen formen, spiegelt das Chamber Orchestra of Europe die Gefühlsausbrüche wider.