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Bernd Glemser gibt gerne das Wissen weiter, das er sich in seiner langen Karriere erarbeitet hat. Foto: Süße-Krause
Bernd Glemser gibt gerne das Wissen weiter, das er sich in seiner langen Karriere erarbeitet hat. Foto: Süße-Krause
01.09.2016

Lehren und musizieren: Pianist Bernd Glemser im Kloster Maulbronn

Maulbronn. Irgendetwas Magisches muss das Maulbronner Klostertor schon haben. Wie würde sich sonst die Wirkung erklären lassen, die jeder Besucher empfindet, wenn er hindurchgeht? Auch Bernd Glemser (54) schwärmt vom Kloster. Der Pianist schwärmt von der Ruhe, die einzieht, wenn er die roten Mauern um sich weiß; er schwärmt von der kreativen Atmosphäre, die sich zwischen den alten Steinen wie von selbst einstellt – und er schwärmt von der Zeit, die er hier jedes Jahr an der Schwelle vom August zum September verbringen darf. Und das seit mittlerweile zehn Jahren.

So lange nämlich schon kommt der international renommierte Pianist nach Maulbronn. Zieht sich zurück aus dem Lärm der Stadt, um hier das zu machen, was er am besten kann: Musik. In Meisterkursen unterrichtet er junge Musiker – und lädt sich Freunde ein, die mit ihm musizieren. So auch in diesem Jahr.

Heute Abend zeigen die Nachwuchskünstler im Abschlusskonzert, was sie in dieser Woche von Glemser gelernt haben. Der übernimmt ab Freitag das Ruder – und zeigt in mehreren Konzerten, was er kann.

Wie kam es vor zehn Jahren zur Konstellation? Denn Glemser ist „artist in residence“ (Residierender Künstler) in Maulbronn. Er ist den Klosterkonzerten also besonders eng verbunden. Ein wichtiger Faktor ist die Freundschaft zu Jürgen Budday. Glemser ist auch vor seiner Verbindung mit den Klosterkonzerten schon ein paarmal in Maulbronn gewesen; ihm hat gefallen, was er da erlebt hat – und er will sich gerne enger an die Konzertreihe binden. Gleiches denkt Budday, der die Klosterkonzerte damals noch leitet. „Ich weiß dann gar nicht mehr, wer den Wunsch als Erster ausgesprochen hat“, sagt Glemser.

Beide kommen schnell zusammen – und entwickeln ein Konzept. Ein bisschen wie die Marlboro Music School im US-Bundesstaat Vermont soll Glemsers Engagement gestaltet sein. Der Pianist will unterrichten, will auch Konzerte geben – und lädt sich Freunde ein, die ihn dabei unterstützen. Der Zeitpunkt kristallisiert sich schnell heraus. „Die Ferienzeit stand fest. Sonst hätten wir ja die Schulräume des Evangelisches Seminars nicht nutzen können.“

Am Anfang der Ferien ist jeder im Urlaub – also trifft es das Ende. Die Kurse etablieren sich, die jungen Musiker erfahren über Aushänge an ihren Hochschulen von dem Angebot – und nehmen es wahr. In der Kurszeit steckt Glemser tief im Stress. Er steht früh auf, unterrichtet am Tag – und probt am Abend seine eigenen Konzerte.

„In der Unterrichtszeit gibt es eher keine Zeit für Partys oder dergleichen“, sagt Glemser – für ihn zumindest. „Die Schüler haben da einen etwas entspannteren Tagesablauf.“ Heute Abend aber wird es ernst für sie, dann zeigen sie im Konzert, ob sie verinnerlicht haben, was Glemser sie gelehrt hat.

Echte Freunde

Danach tritt der Pianist selbst ins Rampenlicht. Morgen zum Beispiel mit Julius Berger am Cello, am Samstag als Solist – und in der kommenden Woche unter anderem mit dem Gewandhaus-Quartett. „Bernd Glemser und Freunde“ heißt das Konzept. Freunde? Ist das denn nicht ein wenig zu hoch gegriffen? „Nein“, sagt Glemser. „Die meisten Musiker, die hier zusammen mit mir in Maulbronn musizieren, sind tatsächlich meine Freunde.“ Solche, die er kennt von gemeinsamen Auftritten bei anderen Festivals, oder Kollegen aus seiner Lehrtätigkeit an verschiedenen Hochschulen. Und diese Freunde teilen Glemsers Faszination für das Kloster. „Also bisher waren noch alle überwältigt.“ Hinter den Klostermauern – da ist eben schon eine besondere Stimmung.