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Faszinierendes Spiel Mensch-Maschine: UliK trommelt mit seinem Roboter auf dem Marktplatz.  Foto: Ketterl 

Leichtigkeit und Lebensfreude: 20. Internationales Musik- und Theaterfestival eröffnet

Pforzheim. Einen schöneren Sommerabend für diese besondere Freilichtbühne kann man sich kaum wünschen: Den Auftakt nach Maß feiert am Donnerstag das 20. Internationale Musik- und Theaterfestival. Ein Abend voller „Leichtigkeit und die Lebensfreude“, wie Oberbürgermeister Peter Boch bei seiner Begrüßung konstatiert. Und ein Abend, der dank UliK für viele unvergesslich wird. Denn der sympathische Niederbayer mit Wohnsitz in Frankreich, der manchen noch als frech flitzende Drachenschnecke vor vier Jahren in Erinnerung ist, hat getüfftelt, hat die Grenzen zwischen Mensch und Maschine neu definiert.

Sommersprossen: Pforzheim verwandelt sich in Theaterbühne
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Sommersprossen: Pforzheim verwandelt sich in Theaterbühne

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20. Internationales Musik- und Theaterfestival in Pforzheim

„Kunst heißt für mich, die Welt neu zu erfinden und die Menschen immer neu zu überraschen“, ist Ulrich Kahlerts Antrieb. Und das gelingt dem Showingenieur auf dem Marktplatz auf eindrucksvolle Weise.

Alles nur ein Spiel

Unter einem roten Tuch ist eine rätselhafte Maschine verborgen, bewacht von zwei Menschen. Die stört UliK mit lauten Trommelschlägen, von denen er sich nicht abbringen lässt – weder durch Applaus noch durch einen Geldschein. Erst als Friedi Kohring ihm den Schlegel stibitzt, kehrt kurz Ruhe ein. Doch jetzt erhebt die gewaltige Maschine ihr meterhohes Haupt – und frisst scheinbar das trommelnde Menschlein. Und wie schon UliKs Drachenschnecke, will auch der „Drum God“ nur spielen. Das Drei-Tonnen-Monster bewegt sich überraschend grazil und leichtfüßig, treibt seinen Schabernack mit dem trommelnden 53-Jährigen. Und statt wieder unter dem roten Tuch verschwinden, hat der Roboter anderes im Sinn. Da nimmt er seinen vermeintlichen Dompteur doch lieber auf den Arm und starte eine wilde Achterbahnfahrt …

Doch es soll noch akrobatischer kommen: In der Sequenz „RoboPole“ bittet der Roboter zum Tanz. Wie beim Pole-Dance in der Striptease-Bar wird dem Koloss eine meterlange Stange angeschraubt, an der Martin Riedel artistische Stunts vollführt: Mal hängt er kopfüber nur an den Füßen, mal klettert er die sich bewegende Stange hinauf, rutscht herunter, fächert die Beine auf, schlägt Salti, interpretiert die traditionelle Körperarbeit am Chinese Pole ganz neu. Absolut atemberaubend, ohne Netz und doppelten Boden. Ein so anstrengendes Unterfangen, dass die zierliche Friedi Kohring ihn am Ende kurzerhand über ihre Schulter wirft und davonträgt …

Das Rendezvous der beiden, das so spektakulär begann, könnte einen guten Fortgang nehmen – wäre da nicht der Roboter, der sich einmischt. Denn er blaue Maschinenmann überreicht Friedi zur Schmachtmusik lieber selbst die rote Rose, gibt Küsschen auf den Arm – und lässt den Menschenmann ziemlich blass aussehen. Das will der natürlich nicht auf sich sitzenlassen, muss aber chancenlos zusehen, wie seine Angebetete auf dem Arm des Nebenbuhlers Platz nimmt und sich sanft im Takt der Musik wiegen lässt. Deutlich weniger sanft geht die Maschine dann mit dem menschlichen Störenfried um, schleudert ihn durch die Luft und hat erst ein Einsehen, als Friedi mit ihm schimpft. Und aus einem Tanz zu zweit wird zum Schluss dan ein wunderbar poetischer Pas-de-trois.