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Nach dem Striptease von Evochina Bamboo schäumt Champagner ins Publikum.
Nach dem Striptease von Evochina Bamboo schäumt Champagner ins Publikum.
Beeindruckende Stimme: „Burlesque“-Sängerin Evi Niessner (rechts) im Duett mit Partner Rainer Leupold.  frommer
Beeindruckende Stimme: „Burlesque“-Sängerin Evi Niessner (rechts) im Duett mit Partner Rainer Leupold. frommer
Einen Hauch von Pariser Varieté und Vaudeville-Theater verbreiteten die „Burlesque“-Stars Evi Niessner (von links) und Evochina Bamboo auf der Bühne.
Einen Hauch von Pariser Varieté und Vaudeville-Theater verbreiteten die „Burlesque“-Stars Evi Niessner (von links) und Evochina Bamboo auf der Bühne.
12.10.2015

„Let’s burlesque“ - Inszenierung im Osterfeld vermittelt Anziehungskraft des Pariser Varietés.

Glitter, nackte Haut und Glamour. Show-Erotik in gleißendem Licht, mitreißende Musik und frivole Songs in gekonnter Inszenierung: Die Revue „Let’s burlesque!“ entfesselte am Freitagabend auf der großen Osterfeld-Bühne die aufreizende Anziehungskraft des Pariser Varietés und der amerikanischen Vaudeville-Theater.

Mittelpunkt und Star der Show ist Evi Niessner, die bereits im Mai, an gleicher Stelle – mit einer musikalischen Hommage an Edith Piaf – das Pforzheimer Publikum begeistert hat. Auch im ersten Teil ihres aktuellen Burlesque-Showprogramms trifft sie Timbre, Gesang und Mimik der Piaf perfekt. Doch diesmal ist Evi Niessner angetreten, um sich den Zuschauern in ihrem eigenen und facettenreichen Stil – als grandiose Diseuse und quer durch alle Genres der Musik – zu präsentieren.

Ausgebildete Opernsopranistin

Die seit 1997 in Berlin lebende Entertainerin ist eine am Wiesbadener Konservatorium ausgebildete Opernsopranistin, doch sie singt buchstäblich alles – außer Oper! Die beeindruckende Ausdrucksvielfalt ihrer Stimme verdankt sie nach eigener Aussage vor allem ihren nordamerikanischen Gesangslehrerinnen Janice Harper und Kara Jhonstadt: „Die Amerikanerinnen sind nicht so festgelegt“, unterstreicht sie im PZ-Gespräch.

Auf der Osterfeld-Bühne begleitet sie ihr Partner Rainer Leupold (Piano und Gesang), der im zweiten Set mit Tom Waits getragenen „Tom Traubert’s Blues“ seinerseits für ein absolutes Highlight sorgt. Die musikalische Begleitung des showerprobten Duos liegt beim Gastspiel in Pforzheim bei Ben „King“ Perkoff (Saxofon, USA), Carmelo Leotta (Bass, Italien) und David Tröscher (Schlagzeug, Wiesbaden).

Erotische Hingucker

Der „rote Faden“ der Burlesque-Revue? Der Blickfang? Es ist die in jeder Hinsicht perfekt inszenierte Kunst der Entkleidung, vulgo „Striptease“. Mit Honey Lulu (Japan), Evochina Bamboo (Italien) und Sophia St. Villier (Neuseeland) stehen nacheinander drei äußerst attraktive Meisterinnen des erotischen Tanzes im gleißenden Scheinwerferlicht.

Sie bauen trotz aller gewollten Freizügigkeit vor allem auf gekonnte Andeutungen und raffinierte Verzögerungen, werden vom Pforzheimer Publikum frenetisch gefeiert – am lautesten sind im Übrigen die Damen im Publikum – bis Tassels und String-Tanga die letzten Hüllen sind oder Champagner auf nackte Haut spritzt und in die ersten Zuschauerreihen schäumt.

Das große Finale bringt – wie im Zirkus – alle Protagonisten der Show nochmals gemeinsam auf die Bühne, begleitet von kräftigem Applaus. Nach dem getragenen und von Rainer Leupold zur Ukulele gesungenen Waits-Titel „You’re Innocent When You Dream“ und dem Versprechen wiederzukommen („Wir spielen auch auf Eurer Scheidung“) schließt und öffnet sich der rote Vorhang. Das Publikum johlt und jubelt.