nach oben
Engagiert sich mit vielen anderen beim Konzert gegen Rechts im Kulturhaus Osterfeld: Peter Freudenthaler. Foto: Tilo Keller
Engagiert sich mit vielen anderen beim Konzert gegen Rechts im Kulturhaus Osterfeld: Peter Freudenthaler. Foto: Tilo Keller
06.02.2019

„Let’s get loud“: Künstler wollen Haltung gegen Rechts zeigen

Pforzheim. Wenn das mal keine Abwechslung ist: Abgefahrener Psychedelic-Kraut-Sound trifft auf klassischen Gesang, Jazz auf Rap-Rock-Crossover. Pop-Künstler begegnen Liedermachern. 16 Musiker und Bandprojekte aus Pforzheim und der Region haben sich der Idee der scheidenden Kulturhaus-Osterfeld-Leiterin Maria Ochs angeschlossen und beteiligen sich am Mittwoch, 13. Februar, beim Konzert „Let’s get loud – Pforzheimer MusikerInnen gegen Rechts“. Sie treten dabei in spannenden Konstellationen auf, die es so noch nirgends zu hören gab. Bis jetzt.

Zeichen gegen Populismus

Die Künstler wollen an dem von der Schauspielerin Stefanie Wally moderierten Abend ein Zeichen setzen gegen Rechtspopulismus, für ein friedliches, weltoffenes und demokratisches Miteinander in der Stadt. Alle verzichten auf ihre Gage, der Eintritt ist frei.

Wie berichtet, hat Maria Ochs nach der Veröffentlichung des Künstler-Aufrufs zum Konzert einen regelrechten Shitstorm ausgelöst. Mehr als 40 teils beleidigende und sexistische E-Mails seien in ihrem Postfach gelandet. Entmutigen lässt sie sich davon nicht. „Ich bereue gar nichts. Es ist die ideale Zeit für ein solches Statement, gerade vor den anstehenden Europa- und Kommunalwahlen“, sagt Ochs. Jedoch werde für den Abend ein solides Sicherheitskonzept mit verschärften Kontrollen erarbeitet.„Bitte keine Rucksäcke mitbringen“, rät Maria Ochs. Sie freue sich auf viele Besucher.

Dass rassistische und menschenverachtende Äußerungen salonfähig werden, sei kaum zu ertragen, sagt Ochs. „Pforzheim wird in den Medien häufig als Stadt mit den meisten rechtspopulistischen Wählern dargestellt. Aber die Stadt kann auch anders“, ist sie überzeugt.

Einer der ersten Künstler, der zugesagt hat, ist Fools-Garden-Frontmann Peter Freudenthaler. „Ich finde es wichtig, eine klare Haltung zu zeigen, würde das aber gerne sensibel gestalten, mit den Leuten über ihren Unmut diskutieren, statt sie schnell in eine Ecke zu stellen“, sagt er. Der Gesprächsfaden zu jenen, die unzufrieden sind, dürfe nicht abreißen. Stets auf Kampfmechanismus zu schalten, um Dinge zu klären, sorge nur für verhärtete Fronten. Für ihn sei „Let’s get loud“ ein Konzert für ein Miteinander, für die Demokratie und „das Geschenk, in diesem Land leben zu dürfen“.

Auch dabei: Sebastian Studnitzky. Der Jazzmusiker sieht „1000 Gründe“, sich zu engagieren. Die politischen Tendenzen, im Land wie international, findet er bedrückend. „Da muss man gegenhalten und mit einem Konzert eine gewisse Aufmerksamkeit erzeugen.“

In den Programmen des Pforzheimer Songschreibers Dieter Huthmacher waren Gedanken gegen Rechts schon immer Thema. „In vielen Liedern beziehe ich angedeutet Stellung“, so Huthmacher. „In einer Stadt, die in neuerer Zeit immer ihre Wähler am rechten Rand gesucht und gefunden hat, sollte es für Künstler ein Akt der Solidarität sein, bei solch einer Veranstaltung mitzumachen.“

„Welt ist bunt und frei“

Dem bekannten Tenor Jay Alexander ist es ebenfalls wichtig, ein Zeichen zu setzen. „Als jemand, der in der Öffentlichkeit steht, sehe ich es als meine Pflicht an, einen Beitrag dazu zu leisten, dass diese Tendenzen nicht noch weiter zunehmen. Rechtes Gedankengut tut unserer Gesellschaft nicht gut.“ Jay Alexander hat für das Konzert ein Lied mit Aussage ausgewählt, das er live mit einer Pianistin singen wird: „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ von Dietrich Bonhoeffer. „Ein intelligenter, mutiger und gläubiger Mann, der im KZ Flossenbürg den Tod gefunden hat“, sagt er.

Extremismus sei genauso veraltet „wie Reisen mit Kutschen und gehört in die letzten Jahrhunderte, jedoch nicht in dieses“, sind die Mitglieder der jungen Pforzheimer Band MonoXside überzeugt. „Wir wollen eine Welt, in der die Liebe aller Menschen über die Angst siegt. Deshalb zeigen wir hier, dass die Welt bunt und frei ist.“