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Roland Haag und seine Frau Ruth Dautel werden künftig als Besucher zu Gast sein.
Roland Haag und seine Frau Ruth Dautel werden künftig als Besucher zu Gast sein.
Lieder aus aller Welt sang Jörg Bruckschen (rechts). Fotos: Zachmann
Lieder aus aller Welt sang Jörg Bruckschen (rechts). Fotos: Zachmann
27.07.2017

Letzter Vorhang für Kulturhallenchef Roland Haag

Remchingen. Erfolgreiches Programm und ausgebuchte Theater-Abonnements in der Kulturhalle Remchingen sind vor allem Roland Haag zu verdanken. Doch nach 27 Jahren geht der Kulturhallenchef jetzt in den Ruhestand.

Kurz bevor der letzte Vorhang fiel, hatte Roland Haag als erfahrener Theatermann noch einmal so richtig für Dramatik gesorgt: Ein schwerer Sturz beim Mountainbike-Fahren über Rampen im Odenwald hatte neben einigen Schürfwunden zwei Wirbelbrüche zur Folge. Dank einer intensiven Rehabilitation konnte sich der sportliche Remchinger mittlerweile erholen – und bei seiner nachgeholten Verabschiedung als Kulturhallenleiter schon wieder schmunzeln über das in den Festreden so bezeichnete „retardierende Moment“ kurz vor dem Abschied.

„Die Kulturhalle ist fester Bestandteil in der Region – das verdanken wir allen voran Ihnen“, freute sich Bürgermeister Luca Wilhelm Prayon und lobte neben Haags Leidenschaften für Sport und Kultur auch seine Neugierde und Blickweise über den Tellerrand hinaus.

Wie gut, dass Haag die Gemeinderatsprotokolle Ende der 1980er-Jahre nicht kannte, aus denen Prayon zitierte: Demzufolge sollte die Halle allen voran Vereinsfeste und Betriebsversammlungen beherbergen. Das kam ganz anders mit Haag, der nach dem Studium und Referendariat für Sport und Germanistik an Gymnasien in die Tübinger Kulturszene zum Zentrum Zoo wechselte. Seine Stelle in Remchingen trat er noch während des Rohbaus an, als das Dach fehlte, der Orchestergraben im Wasser stand und einige Bürger die Kommune beim Bau der futuristischen Striffler-Halle auf einem Irrweg sahen. Erfolgreich knüpfte Haag an seine Tübinger Zeit an, gab mit Jazzern wie Jan Garbarek oder Kabarett mit der Kleinen Tierschau den Ton an. Heiß begehrt ist mittlerweile auch das Theater-Abo: Die fast 550 Plätze sind längst ausgebucht.

Ganz klar sei der Erfolg nicht alleine sein Werk, betonte der 65-Jährige und bedankte sich für die Unterstützung aus Rathaus, Gemeinderat und Bevölkerung, aber auch für die Teamarbeit einer guten Mannschaft von der Werbung bis zur Technik. Jetzt freue er sich, selbst im Publikum Platz nehmen und die Veranstaltungen unter Paul Taubes Regie genießen zu dürfen.

Mit einem heiteren Potpourri von Loriot bis zu den Blues Brothers erinnerte Taube an Momente aus 27 Jahren Kulturhallenleitung Haags. Er setzte sich gemeinsam mit Musikschulleiter Hans-Peter Dennemarck ans Klavier und gab zusammen mit Anna Meike Stock, Iris Finkbeiner, Jörg Bruckschen und Apostolos Naumis internationale Lieder zum Besten, zu denen Haag die passenden Länder auf der Karte zeigen sollte. Kein Problem für den weit gereisten Abenteurer, der sich nach dem Sturz bald wieder in den Sattel oder auf die Skier schwingen will: „Gemeinsam mit meiner Frau war ich schon in fast 50 Ländern, und wir haben noch einige Pläne!“