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Ebenso musikalisch ansprechend wie skurril-komisch: der Rossini-Premierenabend am Freitag in Bad Wildbad. Foto: Pfeiffer

Liebe, Lust – und viel Eifersucht: „Die Musik-Akademie“ feiert Premiere im Wildbader Kurtheater

Bad Wildbad. Ein alter Lustmolch ist der reiche Guglielmo. Erst macht er Jagd auf die attraktive Dienerin Vespina. Dann gafft er der jungen Venezianerin Annetta hinterher und zwitschert wie ein verliebtes Vögelchen. Dabei hat er doch schon der betagten Marfisa die Ehe versprochen.

Die einaktige Oper „L’accademia di musica“ („Die Musik-Akademie“) von Johann Simon Mayr nach dem Libretto von Gaetano Rossi ist voll von Begierden, Eifersüchteleien und Intrigen. Bei „Rossini in Wildbad“ wird die 1799 in Venedig uraufgeführte Farsa auf die Bühne des Königlichen Kurtheaters gebracht – und bei der Premiere mit donnerndem Applaus gefeiert. Mit der durchgeknallten Inszenierung von Davide Strava erfährt das Festival eine lebhafte, szenische Eröffnung.

Ursprünglich sollte Starbassist Lorenzo Regazzo Regie führen. Er musste jedoch die Arbeit abbrechen, Strava übernahm sein hinterlassenes Konzept. Was er daraus macht, ist klar eine Opera Buffa mit überdrehten Zügen. Fast possenartig-derb kommt bereits die Ouvertüre des Passionart Orchestra Krakau unter Leitung von Nicola Pascoli daher. Im venezianischen Bühnenbild kündigt sich der Boss des Stücks in Gestalt eines Löwen an. Um was es geht? Valerio, verstoßener Sohn von „Boss“ Guglielmo, will Annetta heiraten. Diese wickelt Valerios Vater, der sie nicht kennt, mit ihren Reizen um den Finger. Er soll schriftlich versprechen, der Heirat zuzustimmen, wenn ihm das Mädchen ebenso gefalle. Der Alte ahnt nicht, dass es sich bereits um die Auserwählte handelt und willigt ein. Die Geschichte spielt sich im Rahmen eines Konzerts ab, bei der auch Rossino-Arien wie „Una voce poco fa“ aus „Der Barbier von Sevilla“ zu hören sind.

Mit geifernder Liebesgier gibt Bassbariton Filippo Morace den Guglielmo, erscheint auf der Empore und versucht’s gleich mit Viagra. Überaus kraftvoll und energiegeladen auch seine Stimme. Er kann aber auch gefühlvoll – bei der verspotteten Barcarole im „Konzert“. Schmachtend-weich der kolumbianische Tenor César Cortes als smarter Sohn Valerio, der beim nicht ganz ernst gemeinten Liebesduett mit Sopranistin Eleonora Bellocci glänzt. Bellocci gibt eine stolze Annetta und verfügt über viel Stimmgewalt.

Und im wutentbrannten Quartett wirft sie sich mit der ebenso stimmstarken Sopranistin Maria del Mar Humanes als Vespina die Bälle zu; dazwischen Guglielmo mit seinem „Piff-Paff“ und am Rand der Bassbariton Ricardo Seguel als Diener Cecchino. Ein typisches Buffo-Pärchen sind die beiden Butler. Dazu passt Tenor Filippo Pina Castiglioni als Annettas Bruder Momoletto, der mit direkten Reden zum Publikum wie Arlecchino aus der Commedia dell’arte wirkt. Bemerkenswert nicht nur seine leidenschaftliche Arie mit Dirigat des Orchesters, sondern auch die Begleitung der Rezitative durch Andrés Jesús Gallucci am Tafel-Klavier.

Weitere Aufführung am 20. und 26. Juli im Kurtheater.