nach oben
Intendant Thomas Münstermann inszeniert die „Zauberflöte“. Foto: D’Aquino
Intendant Thomas Münstermann inszeniert die „Zauberflöte“. Foto: D’Aquino
15.09.2017

„Liebe braucht Prüfung“ - Intendant Münstermann über seine Sicht der „Zauberflöte“

Wie ernst muss man als Regisseur Figuren wie Papageno nehmen, der als lustiger Geselle, fast als Hanswurst daherkommt?

Thomas Münstermann: Sehr ernst, denn es ist immer das Lachen, um das zu besiegen, was einem das Leben schwermacht. Papageno hat fast gar nichts: immer hungrig, kein Geld, keine Freundin, und er weiß nicht, was aus ihm werden wird. Er hat ganz einfache, schlichte Wünsche. Wenn er die dann mal formuliert, ist das sehr rührend, aber eigentlich auch ganz traurig.

Und Pamina, muss man sie als schwaches, verängstigtes Mädchen sehen?

Pamina ist von vorn herein am meisten dem Leiden ausgesetzt, und zwar, weil sie von Sarastros Leuten entführt wurde. Die behaupten zwar, um sie zu retten, aber es handelt sich um einen politischen Akt, um Machtsicherung. Zudem wird Pamina sexuell bedrängt und hat es schwer, sich überhaupt zu wehren. Aber im entscheidenden Moment entwickelt sie Mut.

Pamina und Tamino sind gegenüber Sarastro und der Königin der Nacht ein junges Paar. Wie ist ihre Entwicklung?

Die beiden sind im Status des Erwachsenwerdens. Es ist eben auch eine Reifegeschichte von einer blitzartigen Augenblicksverliebtheit zur Erkenntnis, dass Liebe auch Prüfung bedeutet und Entscheidung braucht, nicht nur Fasziniertheit.

Die Königin und Monostatos werden abwechselnd als böse oder gut bezeichnet. Ist das so einfach zu trennen?

Der Königin wird von der Männerwelt die Fähigkeit zu vernünftigem und wissenschaftlichem Handeln abgesprochen. Ihr werden die Mittel und das Kapital entzogen, nachdem ihr Mann gestorben ist. Dagegen hat sie versucht, politisch Einfluss zunehmen. Deshalb wurde ihre Tochter entführt. Dass sie sich dann wie eine Furie verhält, zum Mord als Mittel greift, entsteht aus einer mütterlichen Verzweiflung. Ebenso ist es mit Monostatos. Er singt, dass es so fürchterlich ist, als Schwarzer keine Liebe zu bekommen. Er ist der Außenseiter, der Gemobbte.

Ist Sarastro ein Diktator?

Wir sehen einen Herrscher in einem nichtweltlichen Staat, in einer fast parareligiösen Vereinigung, die Anklänge an freimaurerische Rituale pflegt und gleichzeitig Regierung ist. Sarastro ist dort Vorsitzender – ob gewählt oder durch brutale Durchsetzung, wird im Finale eins deutlich: Er erscheint in einem Wagen, gezogen von sechs Löwen. Das ist ein Imponiergehabe, das Macht durch Furcht stützen will. Er muss um Rückhalt beim Volk werben und fürchten.