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Pavlos Hatzopoulos hatte nicht nur einfühlsames Klavierspiel zu bieten. Foto: Ketterl
Pavlos Hatzopoulos hatte nicht nur einfühlsames Klavierspiel zu bieten. Foto: Ketterl
25.09.2017

Lions-Gesprächskonzert mit Pavlos Hatzopoulos für „Menschen in Not“

Pforzheim. Vier Werke zu erklären und zu spielen, erfordert viel Konzentration. Pavlos Hatzopoulos gelingt dies beim Gesprächskonzert in der Stadtkirche beeindruckend, wirkt bei den Erläuterungen authentisch, tiefgründig, seriös. Und hat am Ende noch Kraft für zwei bewegende Zugaben – Schuberts Impromptu Es-Dur und Bachs Choral „Jesus bleibet meine Freude“. Bei dem Benefizkonzert für die PZ-Aktion „Menschen in Not“, zu dem Kantorin Heike Hastedt und Uwe Spörl, Präsident des veranstaltenden Lions Clubs Heimsheim Graf Eberhard Förderverein begrüßen, macht sich der Stuttgarter Meisterpianist auf die Suche nach Wahrheit – der biblischen Wahrheit.

„Aus Liebe zur Wahrheit . . . und dem Bestreben, diese zu ergründen“ – mit diesem Lutherzitat ist das Konzert überschrieben. „Luther war ein Mensch, der ein Bußempfinden hatte, er wollte eine Lösung, eine Erlösung“, erzählt Hatzopoulos. Um Vergebung, Versöhnung und Erlösung sei es ihm gegangen – drei Worte, die an diesem Abend immer wieder auftauchen – ob bei Bachs Toccata D-Dur oder Beethovens „Sturmsonate“ d-Moll. Mit dem Lutheraner Bach, für den die Musik Gottes Lob erfüllen sollte, steigt er ein, erzählt Wissenswertes über Tonart und Vorzeichen. „D-Dur galt schon immer als triumphale Tonart“, sagt er. Die zwei Kreuze würden auf Golgatha verweisen, wo drei Kreuze standen; das mittlere – Jesus – fehle. Mit Tonbeispielen deutet der deutsch-griechische Pianist auch das zweite, traurige Fugato, dessen brodelndes Tremolo wie eine Frage gestellt sei. Als er das Frühwerk am Flügel mit sachtem Anschlag und ratternd-rasanten Staccati komplett spielt, laufen die Geschichten am inneren Auge vorbei.

Seufzer und Zwiegespräch

Noch bildhafter ist die Präsentation von Debussys Prélude „La Ca-thédrale engloutie“ (Die versunkene Kathedrale), zu der es eine Legende gibt. Der verschwommene Nebel, der Mönchsgesang, die hellen Glocken – alles führt der Pianist klar und kraftvoll vor.

Noch vor der Pause nähert sich der Pianist Beethovens Klaviersonate Nr. 17 d-Moll, op. 31,2, aus der er den ersten und dritten Satz spielt. Auf die Frage nach dem tieferen Sinn hatte der Komponist gesagt: „Lesen Sie Shakespeares Sturm“. Für Hatzopoulos der Anknüpfungspunkt, ausführlich auf das Drama einzugehen und musikalischen Motive festzumachen. Spannend erklärt er Seufzer und Zwiegespräch, bei dem die lamentierende Antwortstimme in einen Schrei übergeht. Noch viel mehr als im Rhetorischen überzeugt Hatzopoulos im Pianistischen. Feinfühlig-virtuos bringt er zum Schluss Schuberts Drei Klavierstücke D 946 zum Ausdruck, zeigt gespenstische Tonarten wie es-Moll genauso auf wie Rhythmen, die an Jazz erinnern. „Die Wahrheitssuche ging bei ihm über die Wanderschaft“, erläutert der Pianist – und erhält langen Applaus des aufmerksamen Publikums. Der Erlös kommt „Menschen in Not“, insbesondere der Lilith-Beratungsstelle gegen sexuellen Missbrauch und dem Kinder- und Jugendhospizdienst Sterneninsel zugute.