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Gut besucht ist die Matinee der Löblichen Singergesellschaft im PZ-Forum mitClaus Kuge (links), Inés Zimmermann und Claus Thomas.   Foto: Molnar
Gut besucht ist die Matinee der Löblichen Singergesellschaft im PZ-Forum mitClaus Kuge (links), Inés Zimmermann und Claus Thomas.   Foto: Molnar
23.02.2016

Literatur-Musik-Matinee im PZ-Forum zum Werk von Mascha Kaléko

Pforzheim. Wenn Claus Thomas (90) Gedichte rezitiert und Inés Zimmermann dazu auf verschiedenen Flöten musiziert, dann entsteht eine ganz eigene Welt – eine Welt aus Poesie, feinem Humor und tiefer Verbundenheit. Seit 14 Jahren sind der Freiburger und die Berlinerin zusammen unterwegs, bereits zum zehnten Mal gastieren sie im PZ-Forum.

Bei der Literatur-Musik-Matinee der Löblichen Singergesellschaft stellen sie diesmal das Werk von Mascha Kaléko (1907–1975) unter dem Titel „Wir haben keine andere Zeit als diese“ in den Mittelpunkt, das mit Tucholsky und Kästner verglichen und zu Unrecht vergessen wurde. Die Authentizität ihrer teils aktuellen Texte zeichneten Kaléko aus: „Sie schrieb, wie ihr der Schnabel gewachsen war“, sagt Claus Kuge. Der Obermeister führt in den historischen Kontext ein, erzählt vom Leben der polnischen Dichterin im pulsierenden Berlin der Zwanzigerjahre und ihrem Heimweh nach der Emigration 1938. Aus ihren Gedichten treten immer wieder die Themen Einsamkeit, Liebe und Tod hervor, aber auch viel Ironie und Unbekümmertheit.

„Ich werde doch endlich das Gas aufdrehen. Und dir einen ordentlichen Kaffee brühen. Was dachtest denn du?“, liest Thomas in fast saloppem Ton die letzten Zeilen aus „Monolog für Alleinstehende“. Trotzig-kokett rezitiert er auch die Gedanken eines Einzelgängers: „Schlägt es dreizehn, löffle ich fromm die Suppe aus, die ich mir eingebrockt habe, und beiße zufrieden in den sauren Apfel.“ Singend und mit rotierender Handbewegung trägt der vielseitige Rezitator das „Chanson für Drehorgel“ vor, träumt „vom Leben, wie es sein könnte, wenn’s nicht so wäre, wie es nun mal ist“. Oft schlägt der fröhliche Ton in Sehnsucht und tiefe Melancholie um, beim „Sonett in Moll“ zum Beispiel. Von stiller Verzweiflung geprägt ist auch das Gedicht „Wie sag ich’s meinem Kinde“, das Inés Zimmermann einfühlsam, in der Art eines steten Fragens, nachklingen lässt. Die Flötistin untermalt oder leitet die Reime mit den Menuetten aus Bachs erster Cellosuite ein, den „Fragmenten“ von Shinohara, Capricen von Quantz oder auch dem „Frühling“ aus Vivaldis „Jahreszeiten“.

Mal klingt es gespenstisch, mal unbeschwert oder liebevoll zart wie bei dem Wiegenlied „Schlafe, mein Prinzchen“ zum trüben Gedicht „Nachts“.