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Wurde vor 20 Jahren zur Kultfigur: Franka Potente, die als rothaarige Lola durch Berlin rennt. Foto: X Verleih/dpa
Wurde vor 20 Jahren zur Kultfigur: Franka Potente, die als rothaarige Lola durch Berlin rennt. Foto: X Verleih/dpa
15.08.2018

„Lola rennt“ schon 20 Jahre: Kultfilm kam vor zwei Jahrzehnten ins Kino

Berlin. Und die Rothaarige läuft, läuft, läuft durch Berlin: Das rasante Werk von Tom Tykwer setzte ästhetisch Maßstäbe. Spätestens seit diesem Film ist Deutschlands Hauptstadt international wieder zurück in der Kinematografie und gilt als cool. Mehr als 2,2 Millionen Kinogänger wurden damals in Deutschland gezählt. Vor 20 Jahren kam „Lola rennt“ ins Kino – ein guter Anlass, den Kultfilm noch einmal anzugucken, bevor bald das neue Berlin-Werk von Tykwer, „Babylon Berlin“, im ARD-Fernsehen kommt.

Story: Erzählt wird die Geschichte vom Kleinkriminellen Manni und seiner Freundin Lola. Manni (Moritz Bleibtreu) jobbt als Geldbote für einen Autoschieber. Ganz aufgelöst ruft er aus einer Telefonzelle bei Lola (Franka Potente) an, denn er hat soeben eine Tüte mit 100 000 D-Mark (also etwa 51 000 Euro) verloren beziehungsweise in der U-Bahn liegenlassen. Sein Boss will das Geld aber in 20 Minuten abholen. Wenn Manni aber nun das Geld nicht gleich hat, muss er mit dem Leben bezahlen. Lola rennt los, um das Geld aufzutreiben. Manni kündigt an, um Punkt 12 Uhr in seiner Verzweiflung einen Supermarkt zu überfallen, wenn sie bis dahin nicht bei ihm sei. Als Lola ankommt und mit ihm vor der Polizei fliehen will, fallen Schüsse. Genau in dem Moment geht es filmisch noch mal von vorne los. Und Lola rennt schließlich ein drittes Mal. Kleinste Veränderungen haben dabei große Folgen.

Stil: Der Film, gedreht im Sommer 1997, war 1998 eine audiovisuelle Offenbarung in Farbe, Schwarzweiß, mit Zeitlupen, Zeitraffern, Zeichentrick und digitalen Effekten. Der Soundtrack ist von Technobeats geprägt, das Lied „Wish (Komm zu mir)“ mit Sprechgesang von Thomas D und Franka Potente hat eine fast hypnotische Wirkung. Strukturell inspirieren lassen hat sich Krzysztof-Kieślowski-Fan Tykwer wohl von dessen Film „Der Zufall möglicherweise“, mit den drei Versionen einer Geschichte.

Kritik: Die Medien waren sich damals recht einig mit positivem Echo. So heißt es im Lexikon des internationalen Films: „Unter Einsatz verschiedenster formaler Mittel erzeugt der Regisseur überaus geschickt einen stakkatoartigen Rhythmus, der sich zu einem mitreißenden, formal brillanten visuellen Feuerwerk verdichtet.“

Preise: Auch wenn der Film bei den Festspielen von Venedig und bei den Oscars leer ausging, erhielt er doch 1999 den deutschen Filmpreis in Gold, der heute übrigens Lola heißt – natürlich nicht nur wegen Tykwers Film, sondern auch wegen der von Marlene Dietrich verkörperten feschen Lola im Klassiker „Der blaue Engel“.

Drehorte: Wer Berlin kennt, kann sich über Lolas Laufstrecke aufregen, denn sie ist so nicht in der Zeit abzulaufen. Zu sehen ist zum Beispiel die Oberbaumbrücke über die Spree zwischen Kreuzberg und Friedrichshain. Der Supermarkt ist dagegen ein früherer Bolle-Markt in Charlottenburg, elf Kilometer entfernt. Szenen in einer fiktiven Bank wurden in Mitte am Bebelplatz gedreht, wo sich heute ein Luxushotel befindet.

Hommage: Der Film hat seinen Platz in der Film- und Popgeschichte gefunden und auch viele Fans in den USA. Bestes Beispiel: Die Zeichentrickserie „Die Simpsons“ widmete ihm eine Folge.

Aktualität: Interessant wird es bei der Frage, wie der Film heute wirkt. Spannend ist er noch, doch trotz seiner damaligen Modernität haben ihn technische Entwicklungen eingeholt. Die Dramatik ist stark an die 1990er-Jahre gebunden, wenn man bedenkt, dass die Grundsituation, also Mannis Dilemma, mit einem Smartphone zu verhindern gewesen wäre. Zudem hat sich Berlin verändert: Im Film ist eine recht leere Stadt mit Brachen und Baustellen zu sehen. Und wie so oft in Filmen läuft einiges mit zu viel Zufällen und Glück ab, vor allem in der letzten Episode. Aber Filme dürfen das. Lola kann schließlich wie der kleine Oskar Matzerath in der „Blechtrommel“ mit ihrer Stimme Glas zerspringen lassen.