nach oben
Die Teilnehmer in der Pforzheim Galerie hatten die Befürchtung, ihr Innerstes nach außen kehren zu müssen. Doch das war weit gefehlt. Foto: Keller
Die Teilnehmer in der Pforzheim Galerie hatten die Befürchtung, ihr Innerstes nach außen kehren zu müssen. Doch das war weit gefehlt. Foto: Keller
11.10.2018

Lyrik-Workshop mit Beate Rygiert in der Pforzheim Galerie

Pforzheim. Wie kommt man auf die Idee, an einem Lyrik-Workshop teilzunehmen? Entweder, weil man schon Gedichte schreibt oder welche schreiben will, weil man beruflich mit Sprache arbeitet und Spaß daran hat mit ihr zu spielen. Oder einfach, weil man Beate Rygiert als Schriftstellerin kennt und erleben möchte, wie sie als Kursleiterin das Wissen ums Schreiben vermittelt.

Das sind jedenfalls kurz gefasst die Beweggründe von fünf Damen und einem Herrn, die sich an diesem Samstag in der Pforzheim Galerie einfinden, um ihre poetische Ader zum Fließen zu bringen. Der Lyrik-Workshop ist ein Kultur-Angebot der Stadt im Rahmen der Ausstellung zum 80. Geburtstag von Axel Hertenstein in der Pforzheim Galerie.

Nicht alle haben schon einmal gedichtet, und so gibt es durchaus stille Befürchtungen, man müsse nun eine dichterische Pose einnehmen, Herzergüsse in möglichst ergreifende Worte fassen und sein Innerstes nach außen kehren – aber weit gefehlt.

In ihrem didaktisch sehr gut strukturierten Kurs stellt Beate Rygiert unterschiedliche Gedichtformen vor und gibt praktische Anleitungen, wie man überhaupt Material für ein Gedicht findet und dieses dann sprachlich umsetzt.

Ein Gedicht machen dabei weder die Reime noch die Metrik aus, dies alles sind Formen, denen man sich aber nicht unterwerfen muss. Ein Gedicht ist vielmehr eine kurze Textform, reduziert und konzentriert auf das Allernotwendigste, mit dem ein Gefühl, eine Impression, ein Gedanke erfasst werden kann. Wie diese subjektive Textäußerung objektiv wirkt, also von jemand anderem verstanden wird, kann beim Formulieren eine Rolle spielen, muss aber nicht. Beim Dichten hat man also viele Freiheiten – aber auch die wollen beherrscht werden.

Den kurzweiligen theoretischen Ausführungen, die jeweils in der Runde diskutiert werden, folgen praktische Übungen, die allen viel Spaß bereiten. Dass Worte schon allein durch ihren Klang Wirkung entfalten, haben die Dichter des Dadaismus und ihre Nachfolger eindrucksvoll bewiesen. Die Gruppe übt sich – ausgehend von zwei Gedichten von Ernst Jandl – an Klangschöpfungen mit vorgegebenen Vokalen. Und dann heißt es, mutig sein und die Sprachschöpfungen vorzutragen: Blamiert hat sich niemand, ungeahntes Talent gezeigt hingegen schon.

Unterbrochen von mehreren Pausen, in denen Gelegenheit besteht, mit Beate Rygiert über ihre schriftstellerische Tätigkeit und ihre neuesten Werke zu plaudern, nähert sich der Workshop allmählich seinem abschließenden Höhepunkt: Alle ziehen eine Farbkarte, notieren ihre ersten Eindrücke, entwickeln von einem dieser Worte ausgehend ein Mind-Map-Geflecht, um einen dieser Gedankenstränge schließlich einem Gedicht zugrunde zu legen.

Die Ergebnisse sind für alle Teilnehmer erstaunlich und so befriedigend, dass die Gruppe beschließt, nicht einfach auseinanderzugehen, sondern sich wieder einmal für einen Dichter-Nachmittag auf eigene Faust zu treffen. Frei nach den Eröffnungsversen von Wilhelm Busch aus „Balduin Bählamm, der verhinderte Dichter“: „Wie wohl ist dem, der dann und wann Sich etwas Schönes dichten kann!“