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Sven Prietz und Ragna Pitoll wundern sich, wie wichtig eine so kleine Grenze sein kann. Foto: ntm
Sven Prietz und Ragna Pitoll wundern sich, wie wichtig eine so kleine Grenze sein kann. Foto: ntm
02.02.2017

Märchen voller Katastrophen – „Das große Feuer“ in Mannheim

Mannheim. Am Schluss von Roland Schimmelpfennigs Weltuntergangsstück „Das große Feuer“ fahren Flüchtlinge auf der Suche nach einem besseren Leben aufs Meer hinaus. Die Zerstörungswut eines Großbrands hat ihnen die Heimat geraubt. Doch die Flammen und das Rettungsboot sieht der Zuschauer im Nationaltheater Mannheim nur in seinem Kopf. Auf der kargen Bühne liegen lediglich die Fetzen der Papierkulisse, die zeigen: Die Welt ist kaputt. Das Premierenpublikum belohnte die Inszenierung von Intendant Burkhard C. Kosminski mit viel Applaus.

Erzählt wird die Geschichte von zwei Dörfern, die anfangs nur ein schmaler Bach trennt. Nach einem eigentlich harmlosen Streit entfremden sich die Bewohner. Ein Dorf bringt es zu Wohlstand, das andere wird von Krankheit, Hunger und Katastrophen heimgesucht. Am Ende trennen beide Orte ein Meer, ein Zaun – und die gegenseitige Ablehnung. Dennoch machen sich die verzweifelten Menschen im Boot auf den Weg. Ob sie ankommen und aufgenommen werden, bleibt offen.

Man muss nicht lange suchen, um in dem Stück Parallelen zur aktuellen Flüchtlingsdiskussion zu erkennen. „Das große Feuer“ verzichtet aber auf konkrete Anklänge. In typischer Schimmelpfennig-Manier wenden sich die Schauspieler immer wieder ans Publikum und schaffen damit Distanz zur eigenen Rolle. Besonders Nicole Heesters (79) beeindruckt in ihrem ersten Gastspiel in Mannheim seit sechs Jahren. „Das Stück mutet wie ein Märchen an, steckt aber voller subtiler Katastrophen“, hatte die Tochter von Johannes Heesters vorab gesagt. Im schwarzen Gehrock gibt sie die Erzählerin, die doch immer wieder am Geschehen teilnimmt.

Schimmelpfennig (49), der zu den erfolgreichsten zeitgenössischen Dramatikern Deutschlands zählt, will mit seinem Gedankenspiel auch zeigen, wie die Unfähigkeit, einander zuzuhören, in Gewalt münden kann. Untermalt wird das Stück von Musikern des Nationaltheater-Orchesters, die während der rund 90-minütigen Aufführung Teile von Antonio Vivaldis süffigen „Vier Jahreszeiten“ spielen. Nach etwas zögerlichem Beginn wird das schwierige und kontrastreiche Stück mit Begeisterung aufgenommen.

Weitere Termine: unter anderem am Samstag, 4. Februar, und Donnerstag, 23. Februar – jeweils 19.30 Uhr.