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Der Bauer James (Zhi Le Xu) wird von den magischen Sylphiden verführt. Foto: Klenk
Der Bauer James (Zhi Le Xu) wird von den magischen Sylphiden verführt. Foto: Klenk
22.11.2016

Märchenballett „La Sylphide“ auf die Spitze getrieben

Das Märchenballett „La Sylphide“ feiert am Staatstheater Karlsruhe Premiere. Das romantische Stück kommt ganz naturalistisch auf die Bühne.

Klassischer geht’s nicht. Mit „La Sylphide“ erlebte am Karlsruher Staatstheater der Inbegriff des romantischen Märchenballetts Premiere. Ein legendäres Werk. Denn in den klassischen Choreografien von Filippo Taglioni und August Bournonville gab es in den Dreißigern des 19. Jahrhunderts manche Innovationen zu sehen, die man seitdem fest mit dem Ballet verbindet: den ätherisch schwebenden Spitzentanz zum Beispiel; oder die Handlungsteilung in einen bunten und einen weißen Akt. Und das wadenlange Tüll-Tutu. Natürlich gehört das Werk zur Musik von Herman Løvenskiold in der behutsam erneuerten Fassung von Peter Schaufuss zum Repertoire fast aller klassischen Tanzcompagnien. Für Karlsruhe kommt hinzu: Birgit Keil, die Ballettdirektorin der badischen Residenzstadt, hat bei der deutschen Erstaufführung der Schaufuss-Produktion in Stuttgart mit glänzendem Erfolg die Titelrolle getanzt.

Der glänzende Erfolg stellte sich auch in Karlsruhe ein. Die Legende vom schottischen Bauern-jungen James (Zhi Le Xu), der einem geträumten Glück – der zauberhaften Luftgeist-Sylphide (Harriet Mills) – hinterherjagt und ihr verfällt, dabei aber sein wahres Glück, das liebreizende Mädchen Effie (Blythe Newman), an seinen Rivalen Gurn (Flavio Salamanka) verliert, ist schon an sich von märchenhaft poetischer Gestalt, zumal auch die Hexe Madge (Admill Kuyler) mit bösen Zaubertränken ihr Unwesen treibt und Sylphides Tod beschwört.

Im schottischen Landhaus des ersten Akts, dessen Interieur David Walker reich ausgestattet und ziemlich düster auf die Karlsruher Bühne gebracht hat, ereignen sich bei Hochzeitsvorbereitungen fantastische Merkwürdigkeiten und festliche Höhepunkte: Da steigt Sylphide, die eben noch hinreißend zart den träumenden James umtanzt und sich in seinem Großvatersessel unter einem Tuch versteckt, durch den großen Kaminschornstein in die Lüfte.

Vielfalt der Tänze

Madge zelebriert mit krumm gebeugtem Körper ihren unnachahmlich schaukelnden und hinkenden, von einem Stock gestützten Hexen-Walk. Und dann der „Reel“, der großartig auf der Bühne ausgebreitete schottische Volkstanz mit allen Solisten und dem gesamten Ensemble. Männergruppen in jagdlichen Kilts und ländlich bunt gekleidete Mädchen wogen hin und her, bilden faszinierende Reigen und eine kaleidoskopartige Vielfalt von Tanzformationen aus – getoppt von Darbietungen mehrerer Kinderpaare und einer großartig tanzenden kleinen Solistin: Da bricht im Publikum grenzenloser Jubel aus.

Im zweiten – weißen – Akt schlägt die Stunde der Solisten. Admill Kuyler wächst im wilden Tanzspiel am Hexenkessel über sich hinaus. Harriet Mills und ihre Sylphiden-Freundinnen sind in ihren zartgrünen Kleidchen eine Elfen-Schar, deren schwerelose Tanzfigurationen nicht mehr von dieser Welt zu sein scheinen. Und Zhi Le Xus James ist an Eleganz kaum noch zu übertreffen.

Freilich, was da in Karlsruhe mit dieser preisgekrönten, von der Badischen Staatskapelle mit Steven Moore am Dirigentenpult musikalisch kongenial untermalten Choreografie gezeigt wird, ist auch musealer Abglanz einer historisch gewordenen Ära des Balletts.