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Als Werner Wild sein Haus an der Grünewaldstraße gebaut hat, war sein Grundstück noch von Gärten umstanden, dieser Teil des Rodgebiets noch kaum erschlossen. Jetzt ist sein Garten eine Ruheoase mitten im Wohngebiet.  Seibel
Als Werner Wild sein Haus an der Grünewaldstraße gebaut hat, war sein Grundstück noch von Gärten umstanden, dieser Teil des Rodgebiets noch kaum erschlossen. Jetzt ist sein Garten eine Ruheoase mitten im Wohngebiet. Seibel
20.05.2016

Mäzen Werner Wild mit dem Ehrenring geehrt

Als Werner Wild jung war, da hat die Kultur keine große Rolle in seinem Leben gespielt. Wie hätte sie auch – es war Krieg. „Da hatten wir andere Sorgen“, sagt Wild. Der Unternehmer wird morgen 90 Jahre alt. Schon heute erhält er den Ehrenring der Stadt Pforzheim – und das vor allem aus einem Grund: Vor rund 15 Jahren hat der erfolgreiche Unternehmer seine Stiftung gegründet; sie fördert das, was früher im Schrecken des Krieges unerreichbar schien: Kultur – und das vor allem in seiner Heimatstadt Pforzheim.

Wie wichtig die Kultur für den Menschen ist, das aber hat Wild woanders gelernt. Direkt nach dem Krieg studiert er in Stuttgart Bauingenieurwesen, wohnt dort mit zwei Pforzheimer Freunden eng gedrängt in einer Dachwohnung. Doch geistig tut sich ihm die Weite auf. „Es gab in Stuttgart fünf Theater, die mehr oder minder bespielbar waren“, sagt Wild. „Und wir Studenten haben die Karten geschenkt bekommen.“ Wilds Interesse ist geweckt – es wird ihn nicht mehr loslassen. Die Stuttgarter Museen besucht er, ist als Ingenieur in die Reparaturen am Opernhaus eingebunden – und ist fasziniert von dieser Welt: „Das Theater hat mich schon sehr beeindruckt.“ Denn bis dahin ist Wilds Leben durch die Entbehrungen der Kriegszeit geprägt.

Die Familie überlebt

Früh wird er Soldat, auch davor muss er als Flakhelfer nach der Schule direkt in die Stellung. An einem Tag aber ist es gut, Soldat zu sein. Als Pforzheim am 23. Februar zu Asche zerfällt, ist Wild in Schwäbisch Gmünd stationiert. „Den Himmel habe ich aber auch von dort aus rot leuchten gesehen.“ Trotzdem kommt Wild mit seiner Familie recht unbeschadet durch die Zerstörung. Vater und Mutter, auch der Bruder haben überlebt – die Häuser aber sind verloren. Trotzdem beginnt der Vater, dort weiterzumachen, wo er aufgehört hat.

Er fertigt und verkauft Zubehör für die Schmuck- und Puderindus-trie. Wild steigt schnell ein, wird vom Vater früh in Verantwortung entlassen – und stellt zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Weichen. Kunststoff hält Einzug in den Industriezweig. Mit ihm umzugehen, hat Wild zwar nicht gelernt, aber als Ingenieur kommt er schnell hinein in die Welt aus Polysterol und Spritzgießtechnik. Die Firma expandiert rasch, zieht von der Nordstadt ins Brötzinger Tal – 1962 schon eröffnet er ein Zweitwerk in Lichtenau bei Bühl. Er hat gut zu tun. 200 000 Verpackungen verlassen die Werke – täglich. Für Schreibgeräte, Schmuck oder Uhren. „Allein Swatch hat 9000 Packungen pro Tag abgenommen.“ Wild navigiert sich gut durch die Welt von Zahlen, Abnahmemengen und Produktionsfaktoren. Dass es aber mehr gibt als Geld und Gewinn, das weiß er auch.

1991 verkauft er die Firma an Schweizer Investoren, die machen den Pforzheimer Standort dicht, verlegen auch die Verwaltung und den Werkzeugbau nach Lichtenau. So ganz einfach ist es für Wild nicht gewesen, Adé zu sagen zu seiner Firma. „Da musste ich mich schon erst mal dran gewöhnen.“

Einige Jahre später gründet er seine Stiftung. Viele Pforzheimer Kulturinstitutionen profitieren von ihr. Das „Sprachsalz“-Festival hat sie unter anderem unterstützt oder manchen Ankauf des Schmuckmuseums. Warum ist ihm Kultur so wichtig? Wild denkt nach; ein Thema, das ihm nahe geht. „Unser Wirtschaftssystem ist auf den Wettbewerb ausgerichtet. Was darin zählt, ist der Gewinn“, sagt er und sucht nach den richtigen Worten. „Aber das kann nicht alles sein. Es muss einen anderen Bereich geben – sonst wird die Wirtschaft zum Räubersystem.“ Damit das nicht passiert, fördert die Werner-Wild-Stiftung dieses Andere, wo nicht nur zählt, was schöne Zahlen schreibt. Und wenn Wild sieht, was sein Vermögen Gutes tut, freut er sich. „Das ist schon eine große Genugtuung“, sagt er. Noch 25 Jahre wird seine Stiftung bestehen; danach ist ihr Vermögen verbraucht. Bis dahin ist noch viel Zeit – und genug zu fördern gibt es auch.