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Eine Frau geht im Museum Frieder Burda an der Lichtinstallation „Healing Light, Curved Elliptical Glass“ vorbei. Foto: dpa
Eine Frau geht im Museum Frieder Burda an der Lichtinstallation „Healing Light, Curved Elliptical Glass“ vorbei. Foto: dpa
„Stone Sky, Stonescape“ nennt der amerikanische Künstler James Turrell diese Arbeit aus dem Jahr 2005.  Foto: dpa
„Stone Sky, Stonescape“ nennt der amerikanische Künstler James Turrell diese Arbeit aus dem Jahr 2005. Foto: dpa
James Turrell setzt mit seinen Lichtkunstwerken Akzente. Foto: dpa
James Turrell setzt mit seinen Lichtkunstwerken Akzente. Foto: dpa
12.06.2018

Magische Welt des Lichts: James Turrell im Museum Frieder Burda

Baden-Baden. So könnte es an der Schwelle zum Himmel aussehen: Stille, diffus changierendes Licht in einem Raum ohne sichtbaren Anfang und Ende. Wolken-Feeling. Einsamkeit. In der Lichtinstallation „Ganzfeld Apani“ ist der Mensch auf sich allein gestellt. Sie ist der Höhepunkt einer Ausstellung des US-Künstlers James Turrell (75) in Baden-Baden.

Einer der wichtigsten und angesagtesten Gegenwartskünstler gibt im Museum Frieder Burda Einblick in seine verschiedenen Schaffensphasen. Die bis zum 28. Oktober dauernde Schau „The Substance of Light“ vereint neue atmosphärische Installationen und solche, die schon auf der Biennale 2011 für Aufsehen sorgten. Speziell für das Museum entwickelte er die begehbare Installation „Curved Elliptical Glass“.

„Licht ist eine Nahrung“

Vom australischen Tasmanien über Norwegen, Japan und die USA bis ins Kunstmuseum Wolfsburg oder derzeit ins Jüdische Museum Berlin – Turrell hat in den vergangenen fünf Jahrzehnten weltweit mit seinen sich farblich verändernden Licht-Kunstwerken Akzente gesetzt. Seine Arbeiten verkaufen sich für Millionenbeträge. Im kalifornischen Pasadena geboren und in einer Quäkerfamilie aufgewachsen, entdeckte der studierte Mathematiker und Psychologe schon früh das Faszinosum Licht für sich. Das ist für ihn nicht nur schöner Schein, sondern bestimmt auch das Sein: „Licht ist eine Nahrung“, umschreibt er es in Baden-Baden.

Turrell lässt leuchtende Balken in Hologrammen zu Rechtecken werden, die aus dem Bild heraustreten. Treppen führen ins Licht und ins Nichts. Er gaukelt dem Besucher Räume, Tiefe und Ebenen vor, wo keine sind, bis der nicht mehr recht weiß, wo oben und unten ist. „Kunst der Wahrnehmung“, nennt er das. Wenn der Besucher im illusionären Raum dann ganz auf sich selbst zurückgeworfen ist, hat Turrell sein Ziel erreicht: „Vieles in meinem Werk hat mit Isolation zu tun.“

Seine Experimentierfreude wird an seinem Langzeit-Projekt „Roden Crater“ deutlich: Seit den 1970er-Jahren baut der Künstler in der Wüste Arizonas einen erloschenen Vulkan zu einer Art Himmelsobservatorium um. Modelle und Fotografien vermitteln einen Einblick in sein Lebenswerk.

Turrell lebt und arbeitet auf einer Ranch bei Flagstaff in Arizona – in der Nähe des Vulkans. Die Eröffnung seiner Ausstellung im Kurort Baden-Baden ist für ihn auch ein Stück weit Erholung: „Ich war noch nie in einer so entspannten Stadt.“