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Ohne Stil-Scheuklappen: Bruce Hornsby. Foto: Walor/oktober Promotion
Ohne Stil-Scheuklappen: Bruce Hornsby. Foto: Walor/oktober Promotion
07.05.2019

Mainstream-Pop, das war einmal: Bruce Hornsbys „Absolute Zero“

Berlin. Wer den Namen Bruce Hornsby lediglich mit dem Nummer-eins-Hit „The Way It Is“ von 1986 zusammenbringt, dürfte vom neuen Album des Sängers und Pianisten ziemlich überrascht sein. Wenn man die Karriere des Grammy-Gewinners, der sich irgendwann in den 90ern vom Mainstream abwandte, genauer kennt, klingt „Absolute Zero“ gleich viel weniger ungewohnt.

Klar, mit Hornsbys massentauglichem Klavier-Pop der Anfangszeit („Mandolin Rain“) haben Lieder wie „Voyager One“ nur noch wenig zu tun. Dieses Stück beschreibt der 64 Jahre alte Songwriter aus Williamsburg/Virginia als „Steve Reich meets Prince“. Minimal Music und avancierte Grooves finden hier tatsächlich kongenial zusammen. Ebenfalls (und fast zu sehr) an Prince, konkret an dessen „When Doves Cry“, erinnert das verspielte „Fractals“.

Mit Hipster-Projekt Bon Iver

Bei „Cast-Off“ wirkt anschließend eine Leitfigur des elektronisch verfremdeten Neo-Folk als Sänger und Co-Songschreiber mit: Justin Vernon vom Hipster-Projekt Bon Iver. Und im Titelsong trommelt Jack DeJohnette, einer der weltbesten Jazz-Schlagzeuger und Begleiter von Miles Davis, Herbie Hancock oder Keith Jarrett. Die raffinierten Bläser- und Streicher-Parts mehrerer Tracks steuert das Kammermusik-Ensemble yMusic bei, das schon Paul Simons jüngstes Album „In The Blue Light“ (2018) veredelte.

Hornsbys „Absolute Zero“ ist das ambitionierte Spätwerk eines mittlerweile an Jazz, Avantgarde und Filmsoundtrack-Arbeiten geschulten Musikers, der offenkundig nicht mehr auf den Pop-Markt schielt. 33 Jahre nach seinem Durchbruch mit einem (freilich sehr schönen) Lied fürs Formatradio ist der Amerikaner weiter denn je davon entfernt, es sich mit gefälligen Klimpereien bequem zu machen. Werner Herpell