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Eindrucksvolles Klangerlebnis: die Berliner Philharmoniker und der Chor des Bayerischen Rundfunks mit den Solisten Vittoria Yeo, Elina Garanca, Francesco Meli und Ildar Abdrazakov (vorne von links) unter der Leitung von Riccardo Muti.  Ritterhaus
Eindrucksvolles Klangerlebnis: die Berliner Philharmoniker und der Chor des Bayerischen Rundfunks mit den Solisten Vittoria Yeo, Elina Garanca, Francesco Meli und Ildar Abdrazakov (vorne von links) unter der Leitung von Riccardo Muti. Ritterhaus
16.04.2019

Majestätische Größe: Verdis „Requiem“ bei den Osterfestspielen in Baden-Baden

Baden-Baden. Glücksgriffe im Solistenquartett, ein farbintensiv leuchtender Chor, das wunderbar musizierende Orchester und ein mit dem Werk bestens vertrauter Dirigent: Kein Wunder, dass unter solchen Voraussetzungen die Aufführung von Giuseppe Verdis „Requiem“-Vertonung am Palmsonntag im Festspielhaus Baden-Baden zum Ereignis wurde.

Vittoria Yeo (Sopran), Elīna Garanča (Mezzosopran), Francesco Meli (Tenor) und Ildar Abdrazakov (Bass) sind international gefeierte Gesangsstars. Die Berliner Philharmoniker und der Chor des Bayerischen Rundfunks spielen und singen in der obersten Liga der Musik.

Dynamische Flexibilität

Riccardo Muti, dessen Verdi-Interpretationen Maßstäbe gesetzt haben, dirigierte mit höchster Konzentration, sorgte auch in Baden-Baden für eine Wiedergabe von majestätischer Größe und führte diese Ensembles und die Solisten mit dynamischer Flexibilität zu Klangergebnissen, die von zartester Nuancierung bis zu enthusiastischen Aufbrüchen reichten. Orchestrale Farbenglut und die vibrierende Intensität der vokalen Stimmen formten die Totenmesse mit der Würde einer liturgischen Zeremonie zur klingenden Skulptur und entfalteten einen ergreifenden Ton der Weltabgewandtheit.

Mit feinnervigem Pianissimo der Celli setzte die Messe ein. Sanglich behutsam begaben sich die Choristen in das musikalische Geschehen und deklamierten die ersten Worte: „Requiem aeternam dona eis“ (Gib ihnen ewige Ruhe). Und dann, begleitet von der Klangwucht des gesamten instrumentalen und chorischen Plenums, stimmten die vier Vokalsolisten im Wechselgesang das „Kyrie eleison“ (Herr, erbarme dich!) an.

In der umfangreichen „Dies irae“-(Tag des Zorns-) Sequenz, wo die Gräber aufbrechen und das Seufzen der Sünder zu hören ist, zogen die Interpreten alle Register. Zwischen gewaltigen Orchesterschlägen, Pauken- und Blechbläser-Donner und dem chromatischen Abstieg der jammernden Chorstimmen verkündete der Bassist mit stockendem Melos das Jüngste Gericht – eine Passage wie von feurigen Reitern der Apokalypse ausgelöst. Fortgesetzt kontrastierten himmlische Signale mit ausdrucksvollen Kantilenen der Solosänger, ängstliche Chor-Aufschreie mit demütigen Bitten. InterpretatorischeMeisterschaft und Tiefe zeigte sich in allen Belangen. Tenoral kraftvoll und expansiv agierte Francesco Meli. Mit strömender Prachtstimme, schwarz und füllig, sang Ildar Abdrazakov seine Bass-Partien. Ätherisch schwebend leuchtete Vittoria Yeos Sopran wie ein Stern der Hoffnung über all den Klagen, berückend im abschließenden „Libera me“ (Befreie mich). Und Mezzosopranistin Elīna Garanča fesselte mit ihrem charismatisch drängenden, dunkel klangschönen Timbre nicht nur in ihrer Deutung des ewigen Lichts („Lux aeterna“).

Musikalische Brillanz

Tonrein präsentierte sich der Chor unter Riccardo Mutis Leitung und lief in den gemeinsamen Aktionen mit Quartett und Orchester zur Höchstform auf. Angeführt vom Maestro am Pult fesselten die Interpreten mit ihrer musikalischen Brillanz. Im ausverkauften Festspielhaus reagierte das Publikum beeindruckt und begeistert.