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Noch bis zum Ende des Monats sind die Gemälde des Danziger Künstlers Leszek Skurski in Brötzingen zu sehen. Foto: Recklies
Noch bis zum Ende des Monats sind die Gemälde des Danziger Künstlers Leszek Skurski in Brötzingen zu sehen. Foto: Recklies
Das Spiel mit der Farbe Weiß zeichnet Skurskis Werke aus. Foto: Recklies
Das Spiel mit der Farbe Weiß zeichnet Skurskis Werke aus. Foto: Recklies
07.11.2016

Maler Leszek Skurski stellt in Galerie Brötzinger Art aus

Pforzheim. Weniger Farbe als in den Bildern des 1973 im polnischen Danzig geborenen Künstlers Leszek Skurski geht kaum. Seit gut zehn Jahren widmet sich Skurski, der in den 1990er-Jahren an der Akademie der Schönen Künste seiner Heimatstadt Malerei und Grafik Design studierte, der Malerei mit Weiß. Dabei ist er bis heute immer wieder überrascht, wie viel Leben in seinen großflächig weißen Bildern steckt, auf denen oft nur Bruchteile der Bildfläche von Schwarz und Grautönen bedeckt sind. Die aber wirken auf den Betrachter so intensiv, dass das Motiv meist schnell und deutlich erkennbar ist – je besser, desto weiter man vom Bild entfernt steht.

Die Inspirationen für Skurskis Bilder stammen aus dem täglichen Leben, sind von Erlebnissen geprägt oder von Bildern, die sich ihm beim Betrachten von Publikationen ins Gedächtnis brennen und später ihren Weg auf die Leinwand, aufs Papier oder die anderen genutzten Malgründe bahnen.

Oft sind Menschen auf den Acryl- und Ölbildern zu entdecken, die der Künstler akribisch konzipiert und denen stets eine Skizze zugrunde liegt, wie er bei einem Rundgang durch die Schau in der Galerie Brötzinger Art erläutert.

Viel zu entdecken

Auch wenn sich das fertige Bild mitunter leicht von der ursprünglichen Skizze unterscheidet, so sind die Bilder, die der 1995 mit dem Kunstpreis des polnischen Kultusministeriums ausgezeichnete Skurski seit Jahren in allen nur denkbaren Dimensionen schafft, am Ende doch immer nah an der ursprünglichen Idee. So begegnen den Betrachtern Marathonläufer, die sich vor dem großen Rennen aufwärmen wie in dem Bild „Berlin“, sie können Ansichten von Landschaften und Städten entdecken, in denen sich Menschen bewegen, oder scheinbar auf Schnee durch die Gegend rutschen. Die Betrachter sehen sich offenbar mit Offizieren der US-Navy konfrontiert oder haben Gelegenheit, in ferne Städte oder Lande zu entfliehen, die sich dem Betrachter – auch zur Irritation, wie der Künstler sagt – angesichts der den Werken gegebene Titel scheinbar offenbaren.

Es ist die gezielte Reduktion in der Farbe und Form, die Skurski reizt. Es ist das Spiel mit dem Minimalismus, das den in Fulda lebenden Künstler immer aufs Neue herausfordert. Die Umsetzung seiner Bilder erfolgt dabei auch durch den Auftrag vieler Farbschichten mit Pinsel, Spachtel oder Finger – manchmal suggeriert ein gezielt dicker Farbauftrag aber auch nur viele Farbenschichten, „obwohl es nur ein Farbauftrag ist“, wie der Künstler verrät.

Dass das Weiß mal in dezenten Rosatönen, mal bläulich oder bräunlich schimmert, ist weniger der Mischung von Weiß mit anderen Tönen zu verdanken, „als vielmehr den Eigenheiten der weißen Farben verschiedener Hersteller“, wie Skurski verrät, der bei der Wahl der von ihm genutzten Farben auch gerne mal experimentiert. Von den Ergebnissen, die er dann am Ende auf den Malgründen sieht, ist selbst er bisweilen überrascht. Trotz der Kühle, die von seinen Bildern ausgeht und trotz der überwiegend monochromen Farbgebung, sind Skurskis Bilder und Zeichnungen alles andere als monoton oder langweilig. Im Gegenteil: Die Dynamik des Farbauftrags, die sich in der Oberfläche der Bilder widerspiegelt, lädt zur intensiven Betrachtung ein. Auch ist der Verzicht von Farbe der eigenen Fantasie zuträglich, weil man als Betrachter im Kopf beginnt, selbst die Farben zu ergänzen, die man aus eigenen Erlebnissen in Erinnerung hat. So wird das Weiß bunt. So bunt, dass ein Mehr an Farbe kaum zu ertragen wäre. Eine sehenswerte Schau.