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Blechbläser auf hohem Niveau: das Mannheim Brass Quintett.   Molnar
Blechbläser auf hohem Niveau: das Mannheim Brass Quintett. Molnar
07.12.2015

Mannheim Brass Quintett folgt nicht immer den Klanggewohnheiten

Pforzheim. Opulent und gewagt im zweiten Teil, traditionsbewusst im ersten: Das erstmals im Sparkassenhaus Pforzheim gastierende Mannheim Brass Quintett erfreut mit ganz unterschiedlichen Stilrichtungen, mit einer Mischung aus barocker Bläsermusik, romantischen und jazzigen Stücken sowie weihnachtlichen Weisen.

In ihrer soliden, unaufdringlichen Art passen Klaus Bräker und Wolfram Lauel (Trompeten), Reimer Kühn (Horn), Matthias Gromer (Posaune) und Stefan Heimann (Tuba) gut zum festlich gestimmten 60-Plus-Publikum. Immer wieder gibt es reichlich Applaus, ein Schmunzeln bei den launigen Anekdoten von Arrangeur und Moderator Matthias Gromer. Zum Mitklatschen reicht der animierende Schwung der Trompeter allerdings erst beim letzten Stück – bei der „Porgy and Bess“-Suite von Gershwin. Wenn auch das Opening dieses sechssätzigen Stücks so gar nicht für ein Blechbläserarrangement geeignet erscheint, so überzeugen die Musiker spätestens mit dem dritten Satz. Tuba und Posaune im Duett – eine großartige Interpretation von „It Ain’t Necessearily So“. Überhaupt entsprechen die nach der Pause präsentierten Werke nicht den üblichen Klanggewohnheiten. „Ich steh an deiner Krippen hier“ hat nichts mit dem zarten Weihnachtslied zu tun, das auch in Bachs Weihnachtsoratorium auftaucht. Eher mit einem Gute-Laune-Latino-Hit. „Mehr oder weniger ein Blumenwalzer“ ist auch das von Ingo Luis bearbeitete Stück aus der „Nussknacker-Suite“ von Tschaikowsky. Laufende Taktwechsel und Zitate aus allerlei Werken, aus Tiroler Volksmusik oder dem „Kleinen grünen Kaktus“, blitzen dabei auf. Virtuos, rasant und überaus dramatisch erklingt Verdis Ouvertüre zur Oper „Die Macht des Schicksals“. Ganz anders dagegen der Auftakt des Adventskonzertes mit Telemanns Sonate D-Dur: Feine Crescendi, Echos und Wechsel folgen aufeinander. Ein wunderbar klagendes Adagio gelingt dem Hornisten bei Bachs Suite aus BWV 249, dem ein flinkes, mit Leichtigkeit sprudelndes „Kommt, eilet und laufet“ folgt. In träumerische Feststimmung versetzen die drei französischen Christmas Carols.

Anita Molnar