nach oben
Martina Schwarzmann stammt aus einem kleinen Dorf aus Oberbayern. Von dort hat sie bissige Anekdoten ins Kulturhaus Osterfeld mitgebracht.  Frommer
Martina Schwarzmann stammt aus einem kleinen Dorf aus Oberbayern. Von dort hat sie bissige Anekdoten ins Kulturhaus Osterfeld mitgebracht. Frommer
02.11.2015

Martina Schwarzmann begeistert im ausverkauften Osterfeld

Pforzheim. Ihr bayrischer Humor zeigt die Abgründe des Lebens. Sie wirkt, als könne sie kein Wässerchen trüben. Martina Schwarzmann trägt die Haare streng nach hinten gebunden, dazu eine Lehrerinnen-Brille.

Aber die, zugegeben etwas altbackene Nana-Mouskouri-Optik täuscht: Tatsächlich hat’s die oberbayrische Kabarettistin faustdick hinter den Ohren. Ihr abgründiger Humor wird von einer Vielzahl messerscharfer Beobachtungen gespeist, die sich Martina Schwarzmann (36) in ihrer unmittelbaren Umgebung anscheinend geradezu aufdrängen.

Sie redet, wie ihr der Schnabel gewachsen ist, lässt gerne das Lokalkolorit ihres 900-Seelen-Geburtsorts Überacker im Landkreis Fürstenfeldbruck mitschwingen – „da wo man eine dumme Tochter gerne mit einem Bauplatz dekoriert“ – und malt zum minimalistischen Gitarrenspiel rabenschwarze, skurrile oder melancholische Geschichten. Und die reicht inzwischen, trotz ihres unverstellten Dialekts, weit über den Weißwurst-Äquator hinaus. Sogar bis nach Hamburg Sankt Pauli.

„Die Reeperbahn“, lässt sie das Pforzheimer Publikum mit sichtlich zur Schau getragenem Grauen wissen, sei voll solcher Typen, „wie sie’s bei uns in jedem Dorf nur einen gibt“.

Grabpflege mit Spraydose

„Gscheid gfreit“ heißt Martina Schwarzmanns aktuelles Solo-Programm – und im restlos ausverkauften Kulturhaus Osterfeld wollten sich das mehr als 400 Zuschauer auf keinen Fall entgehen lassen. Schwarzmann mag nach eigenen Angaben die Feiertage und Feste ihrer katholischen Heimat. Wohl auch Allerheiligen. Dennoch hadert sie mit der Vorzeige-Grabpflege im Oberbayrischen und wünscht sich innigst eine Spraydose um die Erde an der Familiengruft nachschwärzen zu können.

Das Osterfeld-Publikum lässt sie außerdem wissen: „Wenn ein Geschwür blühen könnte, tät’s aussehen wie Eisbegonien.“ Sieht man von dem etwas zu lang geratenem Anpreisen der im Foyer zum Kauf angebotenen Fan-Artikel ab, ist Martina Schwarzmanns Solo-Programm durchgängig kurzweilig – und steigert sich nach der Pause sogar noch: Skurril und dabei hinreißend lustig verkauft sie den Zuhörern ihre Idee, einen Bandwurm – mit einer Mini-Kamera an der Stirn – für humanmedizinische Darmspiegelungen zu trainieren.

Gerade die Zuhörerinnen im großen Saal bejubeln ihre um den eigenen Herd kreisenden Gedanken, in denen sie sich als „Haushaltsopfer“ bezeichnet: „Dem Gutsherr gehört das Haus, das Gut. Der Hausfrau nur die Scheißarbeit. Sie ist das Haushaltsopfer!“