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Mit dem Konzert unter dem Motto „Der Töne Licht“ feiert der Kammerchor Maulbronn sein 35-jähriges Bestehen. Foto: Fotomoment
Mit dem Konzert unter dem Motto „Der Töne Licht“ feiert der Kammerchor Maulbronn sein 35-jähriges Bestehen. Foto: Fotomoment
25.06.2018

Maulbronner Klosterkonzerte begeistern die Zuhörer

Maulbronn. A-cappella-Chöre sind die Königsdisziplin des Chorgesangs und gelten in christlicher Vorstellung als Medium der göttlichen Welt. Zwei befreundete Chor-Ensembles, die diese Disziplin in königlicher Art beherrschen, feierten bei den Maulbronner Klosterkonzerten mit „Jubelklängen“ Jubiläum – der Maulbronner Kammerchor sein 35-jähriges, ClaritasVocalis, ein renommiertes Ensemble aus Hessen, sein zehnjähriges Bestehen. Beide Chöre zeichneten sich in Maulbronn durch atemberaubende Modulationsfähigkeit und Innigkeit aus. Scheinbar locker und leicht wurden Klangbilder für das Gotteslob farbintensiv ausgemalt. Singen mit vorwärts stürmender Energie und friedlich-pastorale Momente wechselten einander ab.

Moderne Tonsprache

Die Klosterkirche erstrahlte im Glanz „Der Töne Licht“, wie das Konzertprogramm treffend überschrieben war. Vor allem aber meisterten die Choristen die hlhen intonationstechnischen Anforderungen der modernen Tonsprache – wie sie zeitgenössisch-internationale Kompositionen in unvergleichlicher Eigenart verwenden – mit großartiger Bravur. Und die Zuhörer ließen sich konzentriert lauschend von dem ungewohnten Erlebnisgehalt beschenken.

Der Kennzeichen des Maulbronner Kammerchors, der den Konzertabend programmatisch mit „Abendständchen“ von Johannes Brahms (nach einem Brentano-Gedicht) einleitete, ist sein kunstvoll ausbalancierter Klangsinn. Da gibt es kein Vordrängeln Einzelner zulasten des harmonischen Gesamtklangs, die individuellen Timbres der Sänger verschmelzen zu einheitlichen Stimmen einer chorischen Wunderharfe. Unter der umsichtigen Leitung von Benjamin Hartmann fächerte der Kammerchor die „Hymn To The Creator Of Light“ von John Rutter (geboren 1945) in halbtonschrittig aufsteigender Vielstimmigkeit auf, um zwischen temperamentvollen Aufschwüngen in getragenem Erzählton den Schöpfer des Lichts zu preisen. Oder er feierte mit Arvo Pärts „Morning Star“ Christus als Orientierungs-Stern, von vokalen Klang- beziehungsweise Licht-Wellen untermalt. Morgenlieder von Josef Gabriel Rheinberger (nach Fallersleben-Gedichten) erfreuten mit spätromantischen Klangfarben, die Hymne „O lux beata trinitas“ des 1962 geborenen Komponisten Ko Matsushita tauchte den frühchristlichen Text des Ambrosius von Mailand mit hohen Sopranstimmen in grell blendendes Licht. Werke von Claude Debussy („Dieu! Qu’il la fait bon regarder!“) und Olivier Messiaen („O sacrum convivium“), die gelassen vorgetragene „Hymne à Saint Martin“ von Vaclovas Augustinas (geboren 1959) oder der dynamisch gesteigerte „Cantus gloriosus“ von Józef Swider (1930-2014) rundeten die Programmbeiträge der Maulbronner facettenreich ab.

Großes Repertoire

Mit klarer Textartikulation, schlanker Transparenz und klangschönen Stimmen begeisterte das von Uwe Heller motivierend geleitete Ensemble ClaritasVocalis das Publikum in der sehr gut besuchten Zisterzienser-Kirche. In ihren Beiträgen kamen auch Renaissance-Komponisten wie William Byrd (übermütig mit „Sing Joyfully“), barocke Meister wie Johann Ludwig Bach (mit dem bedrückenden, von Koloratur-Trauergirlanden verzierten „Unsere Trübsal“) und Gottfried August Homilius (mit dem chorisch machtvoll klingenden Gebet „Unser Vater in dem Himmel“) zu Wort. Teils zart aufblühende, traditionelle Passionsgesänge von Felix Mendelssohn Bartholdy und im Kontrast dazu das mit leidenschaftlichen Vokal-Glissandi interpretierte „Eli, Eli“ (nach Matthäus 27,46) von Georgius Bárdos (1905-1991) zeigten auch hier ein erstaunlich umfassendes Repertoire. Wobei ClaritasVocalis zudem Chorwerke mit solistischen Sopran- und Tenor-Einlagen wie Fanny Hensels „Schweigend singt die Nacht“ und Gustav Holsts „Nunc dimittis“ beisteuerte.

Abschließend sangen beide Chöre gemeinsam das „Ave Maria“ von Franz Biebl (1906-2001) – den klangsatt leuchtenden, im Kirchenraum hallenden Engelsgruß an Maria, voller Würde und Feierlichkeit. Ein faszinierend vielfältiges, mitreißendes Jubel-Konzert.