760_0900_119427_Max_Ernst_KoKi_01.jpg
Die ehemalige Kulturamtsleiterin Isabel Greschat (links) bei der Einführung zum Max-Ernst-Film im Kommunalen Kino mit Cornelie Holzach, Leiterin des Schmuckmuseums, das gerade eine Ausstellung mit Werken des Künstlers zeigt.  Foto: Meyer 

Max Ernst auf der Spur: Ehemalige Pforzheimer Kulturamtschefin führt im Kommunalen Kino in Film ein

Pforzheim. Nein, mit den – zahlreichen – Frauen des Künstlers Max Ernst (1891–1976) hat Peter Schamoni in seinem filmischen Porträt „Mein Vagabundieren, meine Unruhe“ des berühmten Surrealisten wenig am Hut. Wenn die teils nicht weniger berühmten Frauen überhaupt auftauchen, dann meist als schmückendes Beiwerk: schlank, hübsch und um so vieles jünger als der große Meister. Wie gut, dass Isabel Greschat, ehemalige Pforzheimer Kulturamtschefin und heutige Leiterin des Museums der Brotkultur in Ulm, das gleich zu Beginn ihres Einführungsvortrags im Kommunalen Kino zurechtrückt. Denn: „Frauen waren wichtige Motoren der Veränderung im Werk von Max Ernst“, sagt sie.

760_0900_119426_max_ernst_atelier.jpg
Viele persönliche Einblicke in sein Leben und Werk gibt Max Ernst, hier in seinem Atelier, dem befreundeten Filmemacher Peter Schamoni. Foto: Schamoni Film

Etwa Luise Straus, promovierte Kunsthistorikerin, Journalistin und Künstlerin, Ehefrau Nummer eins und Mutter von Jimmy Ernst. Die jüdische Fabrikantentochter wird in Auschwitz ermordet, nachdem aufgrund einer Verwechslung ihr Visum für die Ausreise in die USA abgelehnt wird. Angeblich offeriert Max Ernst, der bereits in Amerika in Sicherheit ist, sie noch einmal zu ehelichen.

Obwohl er bereits wieder geheiratet hat: 1927 die exzentrische französische Künstlerin Marie-Berthe Aurenche. Zuvor allerdings teilen Gala Eluard Dalí und die 20-jährige Künstlerin Meret Elisabeth Oppenheim sein Bett und Leben. Auf Aurenche, die nach der Trennung Selbstmord begeht, folgt die nächste Künstlerin und Geliebte: die britisch-mexikanische Surrealistin Leonora Carrington. Kurz dauert nur die Ehe mit der reichen Erbin Peggy Guggenheim, mit der Max Ernst von Paris nach New York zieht. Die Amerikanerin Dorothea Tanning wird schließlich seine letzte – vierte – Ehefrau, die ihn um drei Jahrzehnte überlebt und ein beachtliches Spätwerk schafft.

760_0900_119428_dreh_arizona_01_schamoni.jpg
Peter Schamoni bei den Filmaufnahmen in Arizona. Foto: Schamoni Film

Isabel Greschat lässt nicht nur das Leben dieser Frauen Revue passieren, sondern geht auch auf die Ursprünge, Gedanken und gesellschaftspolitischen Ambitionen der Surrealisten ein. Und natürlich auf die Bildwelten des gebürtigen Kölners, denen immer eine Undeutbarkeit unterstellt werde.

„Es ist eher ein zu viel an Sinn und Fährten, die in seinen Werken hinterlegt sind. Und die lassen sich nicht auf einen Nenner bringen“, sagt sie.

Nicht nur den Künstler, sondern auch den Menschen Max Ernst hat der große Regisseur Peter Schamoni (1934 – 2011) in seinem Dokumentarfilm eingefangen. Gleich zum Auftakt beim gemeinsamen Boulespiel in Südfrankreich.

15 Jahre lang sind sie bis zum Tod des Malers und Bildhauers befreundet, der auch immer wieder vor Schamonis Kamera tritt. Und so verbindet der Film historische Aufnahmen, Archivmaterial von Max Ernst mit neuen, unter anderem in den USA, Frankreich und Deutschland gedrehten Szenen. Spannend sind vor allem die Interviews mit Ernst – fließend auch in Englisch und Französisch. Und so schlägt Schamoni einen weiten Bogen: von einem tänzelnden Maler in Hans Richters Film „8 x 8“ bis zu grandiosen Landschaftsaufnahmen im Bryce-Canyon in Utah, wo der Künstler wie in einer Offenbarung seine längst gemalten Bildwelten entdeckt. Eingebunden sind gespielte Szenen, in denen Heiner Lauterbach dem Künstler seine Stimme leiht. Max Ernst war, wie er sagte, selbst berührt von der Art und Weise, wie Schamoni auf ihn einging. Wie sehr er sich dem Freund öffnete, macht diesen Film unter anderem sehenswert.

Sandra Pfäfflin

Sandra Pfäfflin

Zur Autorenseite