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Reinhold Würth hat vor mehr als 50 Jahren angefangen zu sammeln. Balk
Reinhold Würth hat vor mehr als 50 Jahren angefangen zu sammeln. Balk
Besondere Werke – wie „Trio“ von Alex Katz – leiht Würth auch anderen Museen aus – wie hier dem artin-Gropius-Bau in Berlin.
Besondere Werke – wie „Trio“ von Alex Katz – leiht Würth auch anderen Museen aus – wie hier dem artin-Gropius-Bau in Berlin.
Die Sammlung reicht von Alten Meistern bis zu Zeitgenössischem.  Pedersen
Die Sammlung reicht von Alten Meistern bis zu Zeitgenössischem. Pedersen
09.09.2016

„Meine Sammlung ist auch ein Notgroschen“: PZ-Interview mit Reinhold Würth

Fast aus dem Nichts hat Reinhold Würth einen Konzern mit 70 000 Beschäftigten geschaffen. Seit 50 Jahren sammelt der Unternehmer auch Kunst – zuletzt im großen Stil. Das hat auch einen praktischen Zweck. Im PZ-Interview erklärt er, wie es dazu kam und warum sich das Sammeln auch wirtschaftlich lohnt.

PZ: Was war das erste Bild?

Reinhold Würth: Das war ein Aquarell von Emil Nolde mit dem Titel „Wolkenspiegelung in der Marsch“. Das habe ich 1964 bei der Galerie Ketterer in Lugano für rund 60 000 Mark gekauft. Das war damals viel Geld. Ich hatte den Fotografen Paul Swiridoff, einen Freund von mir, in Lugano besucht. Da hat sich ein Besuch der Galerie ergeben.

PZ: Wer trifft die Auswahl bei den Kunstwerken?

Reinhold Würth: Ich bin ja zu 90 bis 95 Prozent Kaufmann. Die Beschäftigung mit den Künsten war immer der Kontrapunkt zum beruflichen Leben. Vor rund 15 Jahren habe ich einen Kunstbeirat gegründet, der mit den besten Fachleuten besetzt ist. So ist das Ganze vom eher dilettantischen Sammeln inzwischen zu einer einigermaßen professionellen Kollektion geworden.

PZ:Die Zahl Ihrer Kunstwerke wächst pro Jahr enorm. Woher stammen die Werke?

Reinhold Würth: Rund 1000 neu erworbene Kunstwerke pro Jahr ist schon die Richtung, in die es geht. Dazu gehören Werke für 300 oder 500 Euro von Akademie-Absolventen, jungen vollkommen unbekannten Künstlern. Gerade auch an der Kunstakademie in Karlsruhe habe ich Werke gekauft. Da kann es sein, dass ich 20 Werke auf einmal erstehe. Die Sammlung ist ein Konglomerat: von Spitzenwerken, die ich zum Beispiel hier in Salzburg kaufe, bis hin zum unbekannten Künstler.

PZ: Ist Ihr Interesse an völlig unbekannter Kunst auch eine Art Programm?

Reinhold Würth: Die großen Museen sind wie eine „Hilton“-Kette auf der ganzen Welt. Sie sehen überall die gleichen Spitzennamen – Kiefer und Richter, und wie sie alle heißen. Da wissen Sie gar nicht mehr, ob sie in Sydney sind oder in Stockholm. Dem möchte ich nicht folgen. Die jungen Künstler müssen eine Chance haben – das ist eigentlich der einzige Teil meiner Beschäftigung mit der Kunst, den ich ein bisschen als mäzenatisch empfinde. Wenn ich bei jungen Künstlern kaufe, können die wieder ein Jahr weiterarbeiten. Da kommt es natürlich auch auf Qualität an. Ich habe mindestens fünf bis zehn Fälle, wo nach 15 Jahren auch die großen Museen angefangen haben, deren Werke in die Kollektion aufzunehmen.

PZ: Ist die Sammlung mit ihrem Wert auch ein finanzieller Rückhalt für die Firma?

Reinhold Würth: Das Ganze ist eine Firmen-Kollektion. Natürlich ist im Hinterkopf schon, dass es sich um einen Notgroschen handelt. Man weiß ja nicht, wie die Zukunft aussieht. Wenn mal Not am Mann wäre, könnte man von diesen Kunstwerken etwas verkaufen und Liquidität schaffen.

PZ: Und der Effekt für die Firma?

Reinhold Würth: Nach außen ist die Wirkung wohl noch größer. Wenn Sie in einer Stadt wie Schwäbisch Hall mit 38 000 Einwohnern in 15 Jahren drei Millionen Besucher in unserer Kunsthalle haben, dann ist das schon gewaltig und bringt den Namen Würth positiv ins Blickfeld. Manchmal werde ich gefragt, ob für die dreistellige Millionen-Euro-Summe an Kunsterwerb nicht lieber Firmen gekauft und Fabriken gebaut werden sollten. Dann sage ich: Vor 40 Jahren waren wir ein Nobody in der Business-Community. Heute haben wir 70 000 Mitarbeiter und 11,8 Milliarden Euro Umsatz – da kann die Kunst nicht geschadet haben. Einen Anteil hat auch die Kunst am Erfolg.

PZ: Wie erfolgreich sind Sie eigentlich als Sammler?

Reinhold Würth: Auch beim Kunstkauf bleibe ich Kaufmann. Ich versuche, Werke zu kaufen, von denen ich Wertzuwachs erwarte. Wir haben eine ganze Menge Kunstwerke in der Sammlung die heute 20 bis 30 Mal so viel wert sind wie beim Kauf.