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Ludger K. entlarvt in seinem Kabarett-Programm mit Sprache.  Frommer
Ludger K. entlarvt in seinem Kabarett-Programm mit Sprache. Frommer
21.03.2016

Meister des Wortwitzes trifft keck und provokant ins Schwarze

Pforzheim. Mancher diesseits des Weißwurst-Äquators mag sich die sprachlichen Mittel von Kabarettist Ludger Kusenberg alias Ludger K. wünschen, erreichen wird er sie kaum. Elegant führt der 43-Jährige das Wort als wär‘s ein Florett und lässt so manchen Spartenkollegen aus dem Fränkischen oder Bayrischen ungewollt plump wirken. Ludger K. „hat’s drauf“, das weiß das Pforzheimer Publikum spätestens seit seiner brillanten Conférence von „Winterträume – Varieté zwischen den Jahren“ der Spielzeit 2013/2014.

Dinge ins rechte Licht gerückt

Trotz seiner verbalen und rhetorischen Fähigkeiten stapelt der in Essen lebende Entertainer tief – und bezeichnet sich beim jüngsten Gastspiel im Kulturhaus Osterfeld als Kabarettisten aus dem „Mittelfeld der zweiten Liga“. Tatsächlich fehlt es seinem aktuellen Soloprogramm „Hilfe, ich werd‘ konservativ“ an nichts – und in seine Erkenntnis: „Das Land der Dichter ist zu einem Land der nicht mehr ganz Dichten“ geworden, lässt er zahlreiche Mosaiksteinchen einfließen, die vieles in anderem Licht erscheinen lassen, was sonst im ach so politisch korrekten Alltag gemeinhin als gegeben hingenommen wird. Ein Beispiel? Conchita Wurst sei keineswegs eine Toleranzikone. Er legt nach: „Das ist kein Zeichen dafür, dass die Gesellschaft tolerant ist. Das ist ein Zeichen, dass die Gesellschaft bekloppt ist. Manchmal ist ein bärtiger Mann in Frauenkleidern eben nur ein Mann in Frauenkleidern“.

Und, an anderer Stelle stellt Kusenberg klar, dass Ehrenmorde eher von Türken begangen werden als von Schweden – und dass die Nennung der Herkunftsländer von Straftätern eben nicht per se ausländerfeindlich sei. „Politische Korrektheit“, sagt Ludger Kusenberg im Osterfeld, „ist nicht zu Ende gedacht“. Wenn die formal richtige Bezeichnung „Professor aus Heidelberg“ (für Verfassungsrechtler Paul Kirchhof) als Beleidigung gedacht ist, so Kusenberg, dann „ist sie eben eine Beleidigung“.