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Die Solisten glänzen mit hervorragenden Auftritten. Foto: Fotomoment
Die Solisten glänzen mit hervorragenden Auftritten. Foto: Fotomoment
30.07.2018

Mendelssohn-Bartholdys erstes Oratorium „Paulus“ in der Klosterkirche Maulbronn

Maulbronn. Es ist ein mächtiges Werk, mit dem die Maulbronner Kirchenmusiker Jürgen und Erika Budday ihre langjährige, erfolgreiche Tätigkeit in der Maulbronner Klosterkirche beschlossen. Immerhin stellt Felix Mendelssohn-Bartholdys erstes Oratorium „Paulus“ von 1838 hohe Anforderungen an alle Mitwirkenden. Das romantische Werk ist von den großen Händel-Oratorien, mehr aber noch von Bachs Passionsschaffen geprägt.

Kein Wunder, hatte doch Mendelssohn erst kurz zuvor die seit 100 Jahren vergessene „Matthäus-Passion“ des Thomaskantors erneut ans Licht geholt und sich intensiv mit ihr beschäftigt.

Gleich am Beginn des „Paulus“ klingt der berühmte Bach-Chorsatz „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ an, vom Orchester kraftvoll zur Fuge gesteigert. Ein doppeltes Zeichen. Denn so betont Mendelssohn seine programmatische Nähe zu Bach und bekräftigt zugleich den mahnenden Charakter seines Werkes, das aufrütteln will zur Bekehrung, die denn auch die Botschaft dieser klingenden Apostelgeschichte ist.

Denkmal der Verschmelzung

Wie der Komponist den Weg von der Christenwut des Saulus und dessen Beteiligung an der Steinigung des Märtyrers Stephanus über das Erweckungswunder des Damaskus-Erlebnisses und die gottgefällige Wandlung zum christlichen Missionar und bis zu seiner Verfolgung schildert, ist ein einzigartiges Denkmal der Verschmelzung geistlicher barocker Tonkunst mit der Glaubenskraft des romantischen Melos. Mit Chorälen Bach’scher Provenienz, packenden Turba-Chören, ergreifenden Arien, vielen virtuos komponierten Fugen und dramatisch bewegten Szenen erhebt dieses großartige Oratorium das Leben des Apostels zum mahnenden Beispiel für den „guten Kampf“ des vorbildlichen Christenmenschen.

Jürgen Budday am Pult der nicht immer ganz gefestigten Russischen Kammerphilharmonie St. Petersburg setzte hier emphatische Akzente und führte die vorzüglich singende Kantorei Maulbronn sicher durch die Klippen der fugierten Mehrstimmigkeit.

Andächtige Choräle

Auch wenn die erregten Volksszenen ein wenig behäbig anmuteten, waren doch die andächtigen Choräle und besinnlichen Gemeindechöre von schöner Eindringlichkeit. Im hervorragenden Solisten-Quartett bewährten sich Johannes Strauß mit hellem Tenor und mustergültiger Diktion, Simon Bailey mit nobel timbriertem Bass, Sophie Klußmann mit schwerelosem Sopran und Anne Greiling als zuverlässiger Alt.

Zum Ausklang der enthusiastisch beklatschten Aufführung mit der prachtvollen Fuge zu „Lobe den Herren“ verteilte sich der Chor als Teil der Gemeinde im Kirchenschiff und intonierte den alten Lobgesang „Ubi caritas et amor, Deus ibi est“: Wo Güte ist und Liebe, da wohnet Gott. Ein ergreifender Abschluss für einen würdigen Abschied.