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Michael Frowin im Kulturhaus Osterfeld.
Michael Frowin im Kulturhaus Osterfeld. © Robin Daniel Frommer
01.02.2016

Michael Frowins - satirisch-böser Blick auf den Zustand der Republik

Pforzheim. Bekannt ist Michael Frowin aus der MDR-Sendereihe „Kanzleramt Pforte D“. Aus dieser Polit-Satire stammt die Paraderolle des 47-jährigen Kabarettisten: ein ganz und gar nicht verschwiegener Kanzlerinnen-Chauffeur, der die Berliner Szenerie gemeinsam mit Pförtner Lothar Bölck (63) zu später Sendezeit unterhaltsam, pointiert und humorvoll durch den Kakao zieht. Frowins im Osterfeld-Studio präsentiertes Solo-Programm „Anschnallen, Frau Merkel!“ ist fraglos von dieser erfolgreichen TV-Reihe inspiriert, zeigt aber mehr Facetten des aus Marburg stammenden Autors, Schauspielers und Regisseurs.

Im Kulturhaus liest Michael Frowin auch aus dem imaginären Tagebuch der Kanzlerin und hin und wieder singt er – für Pforzheimer Zuschauer, die ihn noch von seinem Engagement am Stadttheater (1994 bis 1996) kennen, sind aber selbst die musikalischen Einlagen Frowins keine Überraschung.

Scharfzüngig geht der Kabarettist mit den politischen Wortführern der Berliner Republik ins kabarettistische Gericht: Reih um, parteiübergreifend, eloquent und einfallsreich. Zu Joachim Gauck hält Frowin für seine Zuschauer den Rat bereit, immer wenn der Bundespräsident das Wort „Freiheit“ sage, doch rasch einen „Kleinen Feigling“ zu trinken. Schätzungsweise 300 Promille kämen so ganz leicht zusammen. An anderer Stelle lässt er Jürgen Trittin sagen: „Wenn Heuchelei Rollstuhl fahren könnte, müsste Schäuble bergauf bremsen.“ Szenenapplaus erhält Frowin, als er anprangert, dass Lidl-Chef Dieter Schwarz elf Milliarden Euro Privatvermögen angehäuft habe, aber seine Mitarbeiter ausbeute. Er ruft ins Publikum: „Kinder verwahrlosen in Deutschland. Aber die Gewinne steigen!“ Und natürlich erinnert er auch an das fürstliche Jahressalär von EX-VW-Manager Martin Winterkorn: „18 Millionen Euro Gehalt, jetzt 30 Millionen Rente.“ Und von seinem Putin angedichteten Scherz, den IS mit Giftgas zu bekriegen, indem man die VW-Dieselmodelle in den Irak exportiere, befürchtet er, dass Seehofer ihn ernst genommen haben könnte.