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Ziemlich bissig sind die Witze, die die „Echse“, gespielt von Michael Hatzius, bei ihrem Auftritt im Gepäck hat.  Roller
Ziemlich bissig sind die Witze, die die „Echse“, gespielt von Michael Hatzius, bei ihrem Auftritt im Gepäck hat. Roller
06.10.2015

Michael Hatzius bringt das Publikum im Osterfeld zum Lachen

Kaum einem wäre aufgefallen, dass Michael Hatzius auch noch da ist, hätte er sich am Ende nicht verbeugt. Und das ist ein Kompliment. Denn auf der Bühne des Kulturhauses Osterfeld trat der Puppenspieler vollkommen in den Hintergrund und schaffte es so, seinen Figuren diejenige Vitalität einzuhauchen, die das Publikum so schätzt.

Zunächst saß das aber noch im Dunkeln. Der Grund dafür war blass-pink, hatte ein Plüschschwänzchen, Riesenohren und überdimensionale Füße: Es war ein Hase, der im Eifer des Gefechts wohl das Stromkabel durchgebissen hatte. Oder etwa doch nicht? „Jeder, der nur einen Zahn im Mund hat, kann das gewesen sein“, lispelte das sichtlich pikierte Häschen vorwurfsvoll in Richtung Zuschauerraum.

Nicht weniger frech ging es bei der „Echse“ zu, die erst einmal genüsslich einen Zug von der Zigarre nahm, sich halbwegs bequem hinsetzte, tief durchatmete, nur um dann mit ihrer rauchigen Stimme vollkommen ungeniert zu verkünden: „Ich freue mich, heute hier zu sein – also, dass ich es gefunden habe.“ Was anschließend folgte, war so verzwickt, verstrickt, verschwurbelt, dass es kaum zu beschreiben ist. Als sie einmal mit Erzählen angefangen hatte, rutschte die Echse von einem Thema ins nächste und dann wieder zurück. Über die richtige Ernährung auf Tour wurde genauso geredet wie über mannigfache Unterschiede zwischen Mann und Frau, diverse historische Ereignisse (die Echse ist als Reptil schon sehr alt), und natürlich kam das Programm auch dieses Mal nicht ganz ohne einen Gag in Richtung der Schwaben aus.

Stolz vermeldete das wohl lässigste Reptil der Welt, es habe eine wissenschaftliche Methode zur Bestimmung der Unterwäsche von Frauen entdeckt: „Die String-Theorie.“ Nur eines von zahlreichen Wortspielen, die im Minutentakt wie Geschosse aus dem Mund des wechselwarmen Humoristen kamen, der nicht alleine auf der Bühne unterwegs war.

Eine mit Blut vollgesogene Zecke, die im breitesten Berliner Dialekt über ihr hartes Leben klagte, ein männliches Huhn, dem das Eierlegen schwerfiel, und der Tod, der das Geigenspielen lieber unterlassen hätte, unterstrichen immer wieder die Wandlungsfähigkeit von Michael Hatzius. Seine Figuren sind nicht nur liebevoll gestaltete Puppen, sondern leben, haben einen Charakter, eine Lebensgeschichte. Sie dienen ihrem Schöpfer als Ventil, um seiner Sicht auf die Welt, seinen Gedanken freien Lauf zu lassen.

Dem Publikum gefiel es. Applaus wurde reichlich gespendet, eine Zugabe nötig.