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Michael Krebs hat 22 Kleinkunstpreise gewonnen. Dass er sie verdient hat, zeigt er auch in der Kulturhalle.
Michael Krebs hat 22 Kleinkunstpreise gewonnen. Dass er sie verdient hat, zeigt er auch in der Kulturhalle. © Molnar
26.01.2016

Michael Krebs feiert Bühnenjubiläum in Remchingen

Remchingen. Eine Melodie bleibt gnadenlos im Kopf – Claydermans kitschige „Ballade Pour Adeline“. Überall taucht sie auf, bei Frank Sinatra, AC/DC, ja sogar den „Fantastischen Vier“. Michael Krebs mischt sie wie von selbst unter, zeigt mit ihr auch den Ablauf eines Liebesspiels.

„Ich wollte meinen Traumberuf ausüben“, erzählt der exzellente Rock’n’Roll-Kabarettist und Pianist bei seinem „Jubiläumskonzert“ in der Kulturhalle Remchingen – nämlich den des Hotelbarpianisten. Und da muss man „Pour Adeline“ einfach können, es am besten mit einer Unmenge von Arpeggien ausstatten und einer ausladenden „Dieter-Thomas-Heck-Geste“ servieren. Und wenn das bei einer Sechs-Stunden-Schicht zu Ermüdungserscheinungen führt, nimmt man einfach eine „ekstatisch pianistische Haltung“ ein: Kopf über die Tasten und elegant nach hinten drehen. Dass der schwäbische Hamburger nach zwölf Jahren Tournee und 22 Kleinkunstpreisen, erst recht beim 1111. Auftritt seine Jubiläen mal feiern will, ist kein Wunder: Er hat viel zu erzählen. Michael Krebs serviert seine Gags, Gesellschaftskritik und hohe Kunstfertigkeit am Klavier wie nebenbei.

Obwohl er doch „nur“ schulpraktisches Klavierspiel auf Lehramt studiert hat, „nichts Ordentliches“ also. Immerhin konnte der im dörfischen Neu-Kupfer groß gewordene Musiker damit an einem Wettbewerb teilnehmen – mit seiner ironischen Punker-Hymne „Hausverbot bei Aldi“. Mit Witz plaudert er über die nervige Evaluation in Hotels oder von der Berliner Brotberaterin „für glückliche Brötchen“. Für den Partyteil geben die Besucher Wünsche ab. Mit dabei: „Der Junge mit der Mundharmonika“, aus dem Krebs wie bei so vielem seine herrlich eigene Version macht. Eine Remchinger Premiere, die Wiederholungswert hat! Anita Molnar