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Peter Garrett 

Midnight Oil : Kraftvoller Rock für eine bessere Welt

Stuttgart. „Burning of the Midnight Oil“ (Arbeiten bis in die späte Nacht) lautet ein englisches Sprichwort. Bis in die späte Nacht hinein musste die dank ihres Welthits „Beds Are Burning“ fast schon legendäre australische Rockband Midnight Oil nicht arbeiten.

Aber gewaltig ins Zeug legten sich Frontmann Peter Garrett und seine vier jahrzehntelangen Mitstreiter bei ihrem Open-Air-Auftritt auf dem Stuttgarter Killesberg schon. Schließlich galt es, den Fans dieser Formation bis 22 Uhr ein zweistündiges kraftvolles, motivierendes und mitreißendes Non-Stop-Konzert abzuliefern.

Auf neuen Wegen

Der frühere australische Labor-Abgeordnete, Umwelt- und Kulturminister Garrett, Sänger der „Oils“, lebt seine Musik. Und nichts ist dabei in alten Bahnen eingefahren, nachdem sich die 1976 gegründete Band von 2002 bis 2017 aufgelöst hatte, weil Garretts politische Aktivitäten eine Doppelbelastung nicht zuließen. Der 65-jährige 1,93-Meter-Glatzkopf muss schon nach dem dritten Lied kurz auf seinen Spickzettel schauen, weil die Setlist fast bei jedem Auftritt anders aussieht, zerknüllt das Papier und wirft es nach hinten.

Politisch ist im Grunde alles, was an diesem Abend zu hören ist. Es wird laut, aber nicht ohrenbetäubend, und stets artikuliert Garrett deutlich, wie es sich für einen Staatsmann geziemt. Ob nun „Too Much Sunshine“, „Short Memory“, „The Dead Heart“, „Blue Sky Mine“, „Redneck Wonderland“, „My Country“ oder nach eineinhalb Stunden eben das sehnsüchtig erwartete „Beds Are Burning“ angestimmt wird — alles dreht sich um Umwelt, Krieg, Diskrimierung und unmenschliche Arbeitsbedingungen. Und alles wird in knallharte Rockmusik oder sanfte Balladen ansprechend verpackt. Wolf Maahn hatte im Vorprogramm nicht zu viel versprochen mit seiner Ankündigung: „Eine der schärfsten Rockbands des Planeten.“