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Wissenschaftsministerin Theresia Bauer diskutierte im Kulturhaus Osterfeld mit rund 50 Gästen. Molnar
Wissenschaftsministerin Theresia Bauer diskutierte im Kulturhaus Osterfeld mit rund 50 Gästen. Molnar
22.06.2017

Ministerin Bauer spricht über Wissenschafts- und Kulturpolitik: „Wissen, Wissen, Wissen“

„Raus aus den Strukturen, rein in die Anwendung“ – Theresia Bauer, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst, ist sich sicher: „Wir brauchen die Bereitschaft zu experimentieren.“ Bauer, die schon mehrfach zur Wissenschaftsministerin des Jahres gekürt wurde, sprach am Dienstagabend im Kulturhaus Osterfeld zum Thema „Auf dem richtigen Weg … für schlaue Köpfe und innovative Forschung“.

Die Grünen-Landtagsabgeordnete Stefanie Seemann und der grüne Kreisverband Pforzheim/Enz mit Bundestagskandidatin Katrin Lechler hatten zu dem zweistündigen Diskussionsabend eingeladen. Rund 50 Besucher nahmen teil.

Die grün-schwarze Regierung sei auf dem richtigen Weg, sagte Seemann, doch der Weg sei noch lang. Etappenziele wie die Integration oder Entwicklung einer nachhaltigen Mobilität seien daher wichtig. Doch wie beweglich sei die Gesellschaft? Wie viel Lust habe diese, das Land zu gestalten? Baden-Württemberg sei ein erfolgreiches Land, doch der technologische Wandel fordere es enorm. „Wir bewegen uns in einer Situation mit vielen Unklarheiten und müssen uns darauf einstellen“, sagte Bauer in Bezug auf die Digitalisierung, die an diesem Abend besonders diskutiert wurde.

Der Einwurf eines Auszubildenden aus Estland, die Deutschen müssten sich an die Offenlegung der Daten – wie bereits in seinem Land – gewöhnen, sorgte für Gesprächsstoff. Für die Ministerin steht fest: „Wir brauchen Wissen, Wissen, Wissen“.

Bildung, Wissenschaft und Kultur seien die Schlüsselfaktoren für das Land. Wichtig sei, Vertrauen in die klugen Köpfe zu haben. In Pforzheim gebe es eine hervorragende Hochschule mit zukunftsträchtigen Fachbereichen. Erst im März habe sie dort den Förderbescheid für ein Forschungsvorhaben übergeben. „Pforzheim hat eine gute Aufstellung und ein tolles Kulturleben“, so Bauer.

„Der Unterbau fehlt“

Von Professoren der Hochschule wurden sowohl das Ausbauprogramm als auch die Mängel in der Grundlagenarbeit angesprochen. „Wir gehen in die Innovation, vergessen aber den Unterbau“, kritisierte eine Professorin. Dies stimme auch für die Kultur, sagte Kulturhaus-Geschäftsführerin Maria Ochs. „Bei jedem Fonds, den wir beantragen, setzen wir Arbeitskraft ein. Es fehlt an der Basis“, sagte sie und sprach das Defizit von 144 000 Euro an. Auch wenn das Land blühe: In Pforzheim sehe die Lage extremer aus. „Wir müssen sehen, wie wir überleben“, so Ochs. Die Realität vor Ort legte auch Almut Benkert, Leiterin des EMMA-Kreativzentrums, dar – mit Blick auf die radikalen Kürzungen. Viele Ideen würden in der Finanzdebatte erstickt. Für Bauer sei Zusammenarbeit die Voraussetzung dafür, etwas Neues anzugehen – auch in der Kultur. Sprich: Nicht das Einzelprojekt soll gefördert werden, sondern die Vernetzung.