760_0900_95750_Mischpoke_rdf350_00727.jpg
Konzert voller Höhepunkte: Magdalena Abrams, die aus Ispringen stammende Maria Rothfuchs und Cornelia Gottesleben (von links). Foto: Frommer

Mischpoke Klezmer-Musik für Brüderlichkeit und Frieden

Ispringen. Mitreißende Musik, die sofort beim Publikum verfing: Mischpoke – das sind Magdalena Abrams (Klarinetten und Gesang), Cornelia Gottesleben (Violine), Doro Gehr (Akkordeon und E-Piano), Frank Naruga (Gitarre und Mandola-Cister) und die aus Ispringen stammende Maria Rothfuchs am Kontrabass. Die Formation konzertierte am Dienstagabend in der evangelisch-lutherischen Siloah-Kirche Ispringen. „Bereits zum dritten Mal“, wie sich Pfarrer Rainer Trieschmann erinnerte, der mit Maria Rothfuchs’ Cousine Renate verheiratet ist. Das 1860 an der Lutherstraße 21 errichtete Gotteshaus bietet bis zu 200 Sitzplätze; es war auch beim diesjährigen Konzert bestens besucht.

Mit ungemein hoher Schlagzahl startete das aus Hamburg angereiste Quintett seinen schwungvollen Auftritt: Passend zum weltumspannenden Namen der Tournee, präsentierte Mischpoke eine spannende und meist heiter tempogeladene Musikmischung, die allerlei jüdische, griechische, rumänische, serbische und klassische Elemente verband. Beim zweiten Titel „Lidele in yidish“ verließ sich Klarinettistin Magdalena Abrams ganz auf ihre Stimme: Zunächst übersetzte sie den Text – „Spiel ein Lied für den Frieden, damit der Friede kein Traum bleibt“ – rasch ins Deutsche, um ihm unmittelbar danach „uptempo“ und auf Jiddisch vorzutragen. Kontrabass und Geige leiteten danach ein keineswegs nur sanftes serbisches Kinderlied ein, dem Frank Naruga auf seiner Mandola-Cister einen eigenen Klang verlieh. Diese formschöne achtsaitige Kastenhalslaute, „stellen die hanseatischen Instrumentenbauer namens Folkfriends her“, verriet er.

Bei weiteren Höhepunkten des Konzerts standen Geige und Klarinette als melodieführende Instrumente abwechselnd im Mittelpunkt. Das E-Piano agierte meist eher einfühlsam im Hintergrund; synkopierte Piano-Fill-Ins gab es beispielsweise zu „Kindesyarn“. Bei der temperamentvollen Titi-Winterstein-Komposition „Sur Ma Tombe“ zeigte Violinistin Cornelia Gottesleben eindrucksvoll ihre Verbundenheit mit dem Sinti-Swing: Nach dramatischem Intro spielte sie mit geschlossenen Augen und bewegte sich phasenweise wie eine Tango-Tänzerin – mit viel Szenen-Applaus, einschließlich lauter Bravo-Rufe, honorierte das Publikum diese Passage.

Auch ein Roma-Titel „Bay Mayn Rebn iz gevezn“ („Bei meinem Rabbi ist ein Gauner gewesen“) fand sich im Repertoire von Mischpoke, dem wiederum Magdalena Abrams ihre Stimme lieh. Mit dem Titel „Abi gezunt“ („So lang Du gesund bist“) und einer Zugabe – mit Tin Whistle und gestrichenem Bass – klang das in jeder Phase hör- und sehenswerte Konzert schließlich aus.