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Mit massivem Schimmelbefall hat die Schloßkirchen-Orgel zu kämpfen. Foto: Meyer
Mit massivem Schimmelbefall hat die Schloßkirchen-Orgel zu kämpfen. Foto: Meyer
Mathias Kohlmann spielt die Orgel in der Herz-Jesu Kirche, die stark gefährdet ist. Foto: Keller
Mathias Kohlmann spielt die Orgel in der Herz-Jesu Kirche, die stark gefährdet ist. Foto: Keller
Kostspielig: Kirchenorgeln, wie die in Diefenbach, müssen regelmäßig gewartet werden. Foto: PZ-Archiv
Kostspielig: Kirchenorgeln, wie die in Diefenbach, müssen regelmäßig gewartet werden. Foto: PZ-Archiv
11.07.2018

Mission Orgel-Rettung in Pforzheim und Region: Zahlreiche Instrumente mit Renovierungsbedarf

Pforzheim. Vom Schimmel zerfressen, von Holzwürmern zerbissen – musikhistorisch, klanglich, technisch und architektonisch wertvolle Orgeln finden sich Pforzheim und der Region: Doch an vielen nagt der Zahn der Zeit.

Verschleißteile, oft aus Leder oder Tuch, müssen ausgebessert werden. Das Sanieren und Modernisieren dieser Orgeln kann eine national wichtige Aufgabe sein. Daher hat der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages ein neues Denkmalschutzsonderprogramm mit einem Volumen von 30 Millionen Euro für 2018 aufgelegt, Förderschwerpunkt sollen Kirchenorgeln sein. Bereits im Vorfeld hatten sich die Kirchengemeinden in Straubenhardt-Conweiler und -Langenalb an den CDU-Bundestagsabgeordneten Gunther Krichbaum mit der Bitte um Hilfe gewandt. „Ich freue mich natürlich, wenn den Anträgen aus der Region stattgegeben wird und die Gelder tatsächlich fließen“, sagt er.

Viele Anwärter

„Von dieser Nachricht bin ich angenehm überrascht“, betont Mathias Kohlmann, ehemaliger Orgelinspektor und Organisator des Pforzheimer Orgelsommers. Ihm fallen einige Objekte ein, für die sich eine Bewerbung um die Fördermittel lohnen würden. Etwa im Enzkreis: Bereits denkmalgeschützt sei die Voit-Orgel (1882) in der evangelischen Kirche Bauschlott oder jene in der Gräfenhausener Michaelskirche. Bei den katholischen Kirchen denkt er an Neuhausen, oder auch an die zweitälteste, barocke Kirchenorgel (1734) Badens von Liborius Müller in der Hohenwarter Wallfahrtskirche. In Pforzheim rechnet Kohlmann mit guten Förderchancen bei den Orgeln in der Franziskuskirche sowie der erst Ende der 1970er-Jahre gebauten in der Herz-Jesu-Kirche. „Das Balgleder ist brüchig, die Orgel könnte zusammenbrechen“, sagt Kohlmann. Bei den evangelischen Kirchen hätten die Instrumente in der Schloß- und die Stadtkirche „dringenden Bedarf“. „Wegen einer massiven Schimmelproblematik müssen wir das Instrument in der Schloßkirche neu organisieren, wollen aber das Pfeifenwerk praktisch vollständig weiterverwenden“, bestätigt Martin Kares, Leiter des Glocken- und Orgelprüfungsamtes im Evangelischen Oberkirchenrat in Karlsruhe. Für die historische Tiefenbronner Orgel, die demnächst saniert wird, komme das Sanierungsprogramm leider zu spät. Eventuell könne aber bei der historischen Büchenbronner Orgel ein Antrag gestellt werden.

Kares, der viel Erfahrung mit den Förderrichtlinien hat, geht davon aus, dass das Sonderprogramm für alle kulturhistorisch bedeutenden Orgeln gilt, also auch für etliche Instrumente, die noch nicht unter Denkmalschutz stehen. Dieser werde in der Praxis weit gefasst. Besonders bei den Orgeln in der Stadtkirche (Denkmal des Wiederaufbaus) und der Schloßkirche (bedeutende Kirche der Reformation, erster größerer Orgelneubau nach dem Krieg) rechnet er sich gute Chancen auf Zuschüsse aus. Die anderen Orgeln seien allein vom Alter her schon Denkmalinstrumente.

Veraltete Technik

Oft wurden historische Orgeln klanglich und technisch umgebaut, um auf Moden zu reagieren. „Dadurch sind sie häufig beschädigt worden, etliche dieser Eingriffe sollten zurückgenommen werden“, betont Kares. Bei Orgeln mit elektrischen Baugruppen sind diese oft noch auf dem technischen Stand der 1950er- und 1960er-Jahre. Hier sind aus Sicherheitsgründen umfangreiche Umbauten nötig.

Orgelarbeiten seien generell kostspielig und gingen zu 80 Prozent zulasten der Arbeitslöhne. Beispiel sind die alle 20 Jahre anstehenden Reinigungen. „Dabei werden verschlissene Teile ausgebessert, Pfeifen von Staub und Weihrauch befreit“, schildert Kohlmann. Das koste 1000 Euro pro Register. Wenn dann noch Probleme bei den Pfeifen auftreten oder die Elektronik erneuert werden muss, summiere sich das schnell auf 50 000 Euro – bei mittleren Orgeln. Müsse man bei größeren Instrumenten komplette Register tauschen, sei die Summe schnell doppelt so hoch.

Für die Gemeinden sind Orgelsanierungen oft schwer zu stemmende Batzen. Generell gibt die Landeskirche laut Kares 25 Prozent Zuschuss für alle Orgelarbeiten, dazu kommt bei Bedarf noch ein Darlehen. In den Erzdiözesen liegt der Regelzuschuss bei zehn Prozent, weshalb die Instrumente häufig durch regionale Stiftungen und Sondermittel gefördert werden, die wiederum der Landeskirche nicht zur Verfügung stünden.