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Die Bläser von Chico Trujillo – „Zorrita“ (Trompete), „Oso“ (Posaune), „Felita“ (Saxofon, von links) – bringen in Karlsruhe das Publikum zum Tanzen.  Frommer
Die Bläser von Chico Trujillo – „Zorrita“ (Trompete), „Oso“ (Posaune), „Felita“ (Saxofon, von links) – bringen in Karlsruhe das Publikum zum Tanzen. Frommer
29.07.2016

Mit Adrenalin und Tiefgang - Chilenische Formation Chico Trujillo räumt beim Zeltival ab

Ein Konzert wie ein Blitzeinschlag. Die elf Musiker der chilenischen Band Chico Trujillo fackeln beim Zeltival-Gastspiel im Tollhaus nicht lange: Schon mit den ersten Takten geht ihr süffiger Mix aus Cumbia, Merengue, Ska, Rock und Reggae in Hirn, Bauch und Beine. Der Saal mit mehr als 1200 Konzertbesuchern fängt den rasanten Rhythmus und die ansteckend ausgelassene Stimmung der aus Valparaíso angereisten Formation sofort auf – und tanzt, klatscht, jubelt. Die Chilenen im Publikum begleiteten die Songs textsicher und euphorisch. Die Band um den quirligen Frontman „Macha“ wurde 1999 gegründet und zählt in Chile längst zu den beliebtesten Formationen.

Trompeter „Zorrita“ Cabezas gibt sich im PZ-Gespräch, was die Sog-Wirkung der rhythmischen Musik von Chico Trujillo anlangt, schon vor dem Auftritt sicher: „Getanzt wird immer. Wir haben in Marokko gespielt. Sogar dort haben alle getanzt. Vorne die Männer. Hinten die Frauen.“ Nun, in Karlsruhe ist es, bei weiblichem Überhang, eher bunt gemischt. Und das Klangspektrum der Band erweist sich beim Zeltival einmal mehr als mitreißendes musikalisches Kaleidoskop. Die Bläser – das sind neben Cabezas der Saxofonist „Felita“ und der Posaunist Luis „Oso“ Tabilo – sorgen sofort für druckvollen Drive. Percussion und Schlagzeug bedienen Juanito Gronemeyer und Rodolfo „Tío“ Fuica nicht minder vorwärtstreibend, während Sänger „Macha“ – ständig in Bewegung – das Karlsruher Publikum mit weit ausladenden Armbewegungen zum Mitklatschen und Mitfeiern animiert. Ganz nach Wunsch variiert die Formation: Mal klingen ihre Titel karnevalesk, mal – mit zwei Panflöten – getragen, im nächsten Moment rockig oder balkanesk, dann wieder poppig und maritim leicht und lebensfroh.

„Musik überwindet Mauern“, sagt „Zorrita“ Cabezas, und betont, dass der Chico Trujillo-Sound zwar zum Mittanzen anstacheln mag, aber auch „die Leute zum Nachdenken bringt“. Und so enthält die Zugabe – neben anderen Überraschungen – den älteren Titel „Cabildo“ – mit dem Tonbandmitschnitt der markantesten Sätze der Ende 1972 vor den Vereinten Nationen gehaltenen Rede von Salvador Allende: „Ich komme aus Chile – einem kleinen Land, in dem heute aber jeder Bürger das Recht hat, sich so zum Ausdruck zu bringen, wie er das möchte.“ Soviel zum Credo der seh- und hörenswerten Band.