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Bei seinem „Wasserwelten“-Konzert in der Matthäuskirche erzeugt der Musiker und Künstler Martin Bürck geheimnisvolle Klänge. Foto: Molnar
Bei seinem „Wasserwelten“-Konzert in der Matthäuskirche erzeugt der Musiker und Künstler Martin Bürck geheimnisvolle Klänge. Foto: Molnar
22.11.2017

Mit Martin Bürck in die Tiefen des Ozeans hinabgetaucht

Pforzheim. Wasser kann plätschern, fließen, rauschen. Und eine unbändige Kraft entwickeln, die aus dem tiefsten Meeresgrund auftaucht und mitreißt. Bei seinem faszinierenden „Wasserwelten“-Konzert in der Matthäuskirche bringt der Musiker und Bildende Künstler Martin Bürck all diese Laute und Eigenschaften des blauen Elements in Einklang, ja macht daraus eine eindrucksvolle Klangsymphonie. Mit fast zwanzig verschieden großen Gongs, die wie überdimensionale Pfannen und Teller an einem Metallgerüst hängen und eine imposante Kulisse ergeben, erzeugt der Klangkünstler aus Bad Urach eine archaisch-dunkle, metallisch-donnernde Klanggewalt – mal fester und immer schneller, mal sachte.

An einen Bildhauer, dessen gleichmäßiger Steinschlag von weitem zu hören ist, erinnert der Einstieg mit hell klingenden Kalksteinen. Es könnten aber auch „Tropfen, tief drinnen in der Erde, in einer Höhle“ sein. Ulrike Joram liest vor, nach oder während der Klänge eigene Texte des Künstlers zum Thema Wasser. So heißt ein Gedicht „Zusammenfluss“, ein anderes „Sternensee“. Oft sind es fragmentarische Sinn- und Traumbilder, die beschrieben werden, „Worte auf dem Wasser, angespült in einsamen Buchten“. Wie Wellen am Strand klingt es, als Bürck eine Schamanentrommel mit Kügelchen bewegt, wie Walgesänge beim Bespielen eines Klangfisches. Bürck versetzt die Gräten wie ein Stabspieler mit Schlegeln und feinem Besen in Schwingung, vermischt das etwas andere Glockenspiel mit Gongschlägen. Es ächzt, stöhnt und ruft wie aus den Tiefen des Ozeans.

Gebannt lauschen die zahlreichen Besucher, lassen sich ganz auf den Zauber von Wort und Ton ein. So auch bei Bürcks Spiel mit Fingern, Holzschlegel und Gefäßen in einer chinesischen Wasserspringschale, aus der es munter sprudelt. Einige recken ihre Köpfe, um zu sehen, wie der Künstler die Melodien erzeugt. Denn zu hören sind nicht einfach ein Plätschern und Klopfen, sondern Rhythmen, ein kleines Lied. Auch Bogen und feine Nadeln setzt der freischaffende Musiker ein, dem es in seiner experimentellen Arbeit mit Gongs, Wasser und Steinen um Zeiträume geht – und darum, das „Innere eines Materials“ zum Klingen zu bringen. Das ist ihm und der Sprecherin glänzend gelungen.