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Bei der Bachkantate „Jauchzet Gott in allen Landen“ steht die Sopranistin Robin Johannsen im Wettstreit mit dem Trompeter Alexander Kirn. Das SWDKO unter Timo Handschuh begleitet.  Seibel
Bei der Bachkantate „Jauchzet Gott in allen Landen“ steht die Sopranistin Robin Johannsen im Wettstreit mit dem Trompeter Alexander Kirn. Das SWDKO unter Timo Handschuh begleitet. Seibel
01.12.2015

Mit Mozart den Abend gerockt: Das SWDKO widmet sich im zweiten Abo-Konzert dem Gesang

Pforzheim. Der Mittelpunkt dieses Abends ist eine Stimme. Es ist Robin Johannsens Stimme. Sie ist vor allem durch eines geprägt: ihre Wandlungsfähigkeit. Zwischen erregtem Ernst, dramatischem Pathos und edler Einfalt liegen Welten – Johannsens Sopran durchschreitet sie in Augenblicken.

Wie schön, dass sie das auch beim zweiten Abo-Konzert des Südwestdeutschen Kammerorchesters (SWDKO) im gut gefüllten CCP beweisen darf. Wie schade allerdings, dass es erst so spät geschieht.

Packend deklamiert

Mit Mozarts bravouröser Szene „Bella mia fiamma“ erreicht das Konzert in der zweiten Hälfte seinen Höhepunkt. Da darf Johannsen packend deklamieren, darf über dem reichen Orchestersatz zwischen zurückgenommener Reflexion und aufgewühltem Ausbruch hin und her eilen – und damit den gesamten Saal in den Bann ziehen. Das hat sie im ersten Teil des Konzerts – mit Bachs Kantate „Jauchzet Gott in allen Landen“ – noch weniger getan. Gegenüber der solistischen Trompete – beachtlich Alexander Kirn – gerät sie teils ins Hintertreffen, auch die deutsche Deklamation im Rezitativ wirkt weniger überzeugend. Ähnlich das „Ave Maria“ von Luigi Cherubini aus der zweiten Konzerthälfte, das mit dem solistischen Einsatz der Klarinette (Rudolf König) einige interessante Klangverbindungen zwischen klarem Sopran und schummrigem Klarinettenton bereithält. Das ist angenehm musiziert, vom SWDKO wachsam und gekonnt begleitet, schöne Musik – aber nicht von der Magie des Mozart-Ausbruchs. Warum? Es liegt an den Werken.

Die dramatische Wandlungsfähigkeit von Johannsens Stimme kommt immer dann zum Tragen, wenn sie eine Rolle verkörpert und in ihr aufgeht, wenn es da eine Person gibt, deren Gefühlslage sie ausdrücken kann. In Bachs prächtiger Kantate ist es kein Individuum, das singt. Dort – wie im „Ave Maria“ – ist es kein „Ich“, das leidet oder liebt, sondern das Kollektiv der Gläubigen. Auch das führt zu gewaltiger Musik; aber nicht zu solcher, die auf einen so solistisch geprägten Abend passen will.

Bravouröser Donizetti

Das wird am letzten Stück des Programms überdeutlich. Mit Gaetano Donizettis „O Luce di quest’anima“ führt ein veritables Bravourstück den Abend zu Ende. Und sofort ist wieder alles präsent, was schon die Mozart’sche Szene geprägt hat. Ein reicher und schillernder, dabei dienender Orchestersatz, virtuose, fordernde Gesangs-Passagen – und vor allem eines: ein „Ich“, das auf die Bühne tritt. Bei Mozart der Liebende, der von der Geliebten herzzerreißend Abschied nimmt, bei Donizetti die Liebende, die ihre Sehnsucht im hohen Bogen in die Welt verkünden muss. Da ist es klar, dass Johannsen glänzen kann.

Das Orchester steht teilweise alleine im Fokus – und macht seine Sache gut. Mit Händels „Concerto grosso“ D-Dur op.6 Nr. 5 realisiert es ein kurzweiliges Werk. Die Einzelsätze überzeugen durch die durchdachte Mischung ihrer Charaktere, durch das geschickte Gegeneinanderstellen verschiedenster Bewegungs- und Ausdrucksmuster; diese Farbigkeit gelingt dem SWDKO unter Leitung von Timo Handschuh ansprechend. Auch Franz-Xaver Richters 29. Sinfonie stellt eine angenehme Petitesse dar. Das Konzert geht mit seinem Motto – Mendelssohns „Auf den Flügeln des Gesangs“ – als Zugabe reizend, etwas zahm zu Ende. Der starke Applaus ist das verdiente Lob für ein beachtliches Konzert.