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Dietrich Henschel (links) besingt die Reste seiner Liebe. Foto: dpa
Dietrich Henschel (links) besingt die Reste seiner Liebe. Foto: dpa
03.05.2017

Mit „Tre Volti“ starten die Schwetzinger Festspiele unkonventionell in die neue Saison

Schwetzingen. Mit der Parabel „Tre Volti – Drei Blicke auf Liebe und Krieg“ über eine zunehmend abstumpfende Gesellschaft sind die Schwetzinger Festspiele mit Applaus in ihr 66. Jahr gestartet. Für das etwa 90 Minuten lange Musiktheater über eine Drohnenpilotin und einen Mobiltelefonhändler gab es im historischen Rokokotheater der badischen Stadt reichlich Zuspruch. Grundlage für das vielschichtige Werk ist ein Madrigal des italienischen Komponisten Claudio Monteverdi (1567–1643). Bei den vom SWR veranstalteten Festspielen gehen bis zum 27. Mai insgesamt 51 Veranstaltungen über die Bühne.

In „Tre Volti“ ringen Clorinda (Petra Hoffmann) und Tancredi (Dietrich Henschel) um die Reste ihrer Liebe. Auf Hoffmanns giftig-süßen Sopran antwortet Henschel dabei immer wieder mit raumgreifendem Bariton. Textfragmente werden gegrummelt, Das erweiterte Orchester Concerto Köln unter der Leitung von Arno Waschk spielt auf einem riesigen Gerüst auf der Bühne. Stehlampen werfen fahles Licht, die Kulisse mit zwei Waschmaschinen bildet einen schroffen Kontrast zum frühklassizistischen Theater.

Das Team um Annette Schlünz (Komposition), Ulrike Draesner (Text) und Jeremias Schwarzer (Musikalische Leitung) interpretierte das Thema „Liebe und Krieg“ aus heutiger Sicht. Dabei geht es auch um die Verbindung der historischen Vorlage mit modernem Sprechgesang. Das Team habe dabei nach Schnittstellen zwischen alter und neuer Musik gesucht, sagte Schlünz: „Wir lassen Monteverdi immer wieder hereinleuchten.“

Die neue Festspielleiterin Heike Hoffmann, die von der Salzburg Biennale nach Baden kam, sprach nach der Uraufführung von einer „komplexen Produktion“.