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Snuffy Walden, Sara Niemietz und Jonathan Richards (von links). Foto: Frommer
Snuffy Walden, Sara Niemietz und Jonathan Richards (von links). Foto: Frommer
09.04.2019

Mit akustischem Feinschliff: Gastspiel von Snuffy Walden, Sara Niemietz und Jonathan Richards im Löwensaal Nöttingen

Remchingen-Nöttingen. Sobald Sara Niemietz mit dunkler Stimme singt, drängt sich ein Gedanke auf: In der gerade einmal 26-jährigen Musikerin muss eine steinalte Seele wohnen. Warum? Selbst ein gestandener Klassiker – „God Bless The Child“ von der unvergessenen Billie Holiday (1915-1959) – gelingt der jungen Kalifornierin mühelos, überzeugend, wohldosiert und authentisch. Gerade so, als wäre es ein Titel aus ihrer, aus Niemietz’ eigener Zeit.

Tatsächlich steht die Singer-Songwriterin auf den US-Bühnen – Fernsehen, Film und Theater – seit sie vier Jahre alt ist. Und ihre eigenen, mit Gitarren-Wizard Snuffy Walden (Jahrgang 1950) komponierten und am Sonntag im Löwensaal vorgetragenen Songs wie „Feet Don’t Touch The Floor“ oder „Fireman“ zünden sowieso.

Ihre Stimme schleicht sich soulig und auf Samtpfoten ins Gehör, wie bei den Titeln „Shine“ und „Monroe“, oder sie kommt angeraut und heiser rüber wie bei den kraftvoll dargebotenen Songs „Made To Last“ oder „Waiting On The Day“. Am faszinierendsten sind Niemietz’ scheinbar mühelosen Wechsel zwischen Brust- und Kopfstimme, die für sich alleine genommen das gesamte Repertoire hörenswert machen. In Nöttingen begleiten sie zwei Musiker aus Los Angeles: der routinierte Filmmusik-Komponist Snuffy Walden (Akustikgitarre) und der junge Jonathan Richards (E-Bass).

Richards gibt dem Soundgefüge des Trios unaufdringlich Struktur und verlässlichen Halt; Walden legt das eine ums andere Zuckerbäcker-Intro hin, verziert gerade die Bluesrock-Klassiker wie „I Put A Spell On You“ (Jay Hawkins, Nina Simone u.a.) oder „Up From The Skies“ (Jimi Hendrix) mit grandiosen Hooklines, zündenden Licks oder schillernden Flageoletts. Walden ist in der Tat ein echtes Sound-Urgestein: Er hat schon mit Größen wie Eric Burdon, Chaka Khan und Donna Summer auf der Bühne gestanden. Außerdem erhielt er ein gutes Dutzend Auszeichnungen für seine Kompositionen für Fernsehserien wie beispielsweise Stephen Kings Vierteiler „The Stand – Das letzte Gefecht“.

Niemietz, Walden und Richards überzeugen im Löwensaal, hätten jedoch ein größeres Publikum verdient gehabt. Das Trio belohnt sich und die Konzertgäste zu guter Letzt mit der Zugabe „Stand By Me“ (Ben E. King), dessen Refrain die Zuhörer ganz leise mitsingen.