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Begeistert die Zuhörer bei der Campingkirche: Samuel Harfst. Foto: Roller
Begeistert die Zuhörer bei der Campingkirche: Samuel Harfst. Foto: Roller
14.08.2017

Mit dem Herz auf der Zunge: der Liedermacher Samuel Harfst

Neuhausen-Schellbronn. Auf einmal klingelt sein Handy. Samuel Harfst greift lässig in seine Hosentasche, holt es heraus und sagt grinsend: „Ist gerade ganz schlecht, ich stehe nämlich auf der Bühne.“ Das Publikum lacht – und hat an diesem Abend auch sonst viel Spaß mit dem Singer-Songwriter aus dem hessischen Hüttenberg. Als Harfst am Freitagabend im Zelt der Campingkirche im Neuhausener Ortsteil Schellbronn auftritt, zieht er das Publikum mit seinen selbstgeschriebenen Liedern binnen weniger Minuten in seinen Bann.

Während von draußen dicke Regentropfen auf die Zeltplane prasseln, hängen knapp 200 Zuhörer gebannt an den Lippen des 31-Jährigen. Der steht zusammen mit Dirk Menger und seinem Bruder David Harfst auf der Bühne. Vor ihm ein Mikrofon, in seinen Händen eine Akustikgitarre und hinter ihm zwei alte Bühnenscheinwerfer. Seine Lieder sind langsam, unaufgeregt. Kein Stress, keine Hektik. Sie tragen Titel wie „Wasser“, „Sehenswürdigkeit“ oder „Alles Gute zum Alltag“. In ihnen geht es um Liebe, Hoffnung, Sehnsucht und Freundschaft. Es sind Lieder mit einer Botschaft, mit einem Inhalt, zum Innehalten und zum Nachdenken.

Ein klein wenig aus dem Rahmen fällt da der Titel „Mit Dir kommt der Sommer“: Bei diesem Lied gibt das Schlagzeug den Rhythmus vor und treibt den Song voran, während Samuel Harfst das Ganze mit den Klängen seiner Akustikgitarre untermalt – und seiner tiefen, sanften, erdigen Stimme. Einer Stimme, mit der er hervorragend Gefühle transportieren kann. Das stellt er auch bei „Kleine Seele“ unter Beweis. Ein „kleiner Protestsong“, wie Harfst sagt, einer Seele, die nicht aufhören will, an Gott zu glauben. Gleichzeitig ein autobiografischer Song, denn auch im Leben des 31-Jährigen spielt der christliche Glaube eine große Rolle.

Harfst präsentiert sich als Künstler mit Ecken und Kanten. Als einer, bei dem nicht alles auf Anhieb klappt. Einer, der auch mal zugibt, dass ihm der erste Akkord eines aus dem Publikum vorgeschlagenen Lieds spontan nicht einfällt. Das macht ihn authentisch und liebenswürdig. Das scheint auch das bunt gemischte Publikum so zu sehen. Immer wieder wird kräftig mitgesungen, geschunkelt, und nach jedem Lied erhalten Harfst und seine Mitspieler mehr Applaus.