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Eines der rätselhaftesten Bilder der Ausstellung: Braut oder Kurtisane? Das „Idealbildnis einer jungen Frau als Flora“ von Bartolomeo Veneto, um 1520, harrt noch einer endgültigen Deutung. Foto: Städel
13.02.2019

Mit der PZ Tizian im Frankfurter Städel erleben

Frankfurt/Pforzheim. Der Frankfurter Städel zeigt eine großartige Ausstellung rund um Tizian und ein spannendes Kapitel zu den Malern der Renaissance in Venedig. Die „Pforzheimer Zeitung“ bietet dazu einen Vortrag im PZ-Forum und eine von Claudia Baumbusch geleitete Kunstfahrt an.

Bildergalerie: Tizian und Kollegen im Frankfurter Städel

Im Venedig des 16. Jahrhunderts ist Tiziano Vecellio der Chef im Ring: Mehr als 60 Jahre lang ist er die Speerspitze der Kunst in der Lagunenstadt. Einer, den man nicht ignorieren kann, und einer, dem man „in Anlehnung, Überbietung oder Abgrenzung begegnet“, sagt Städel-Kurator Bastian Eclercy gestern vor der Eröffnung der großartigen Ausstellung „Tizian und die Renaissance in Venedig“. Wer da auf Konkurrenz- oder Kuschelkurs gegangen ist? Unter anderem Tintoretto, Bassano und Veronese. „Sie wohnten alle auf dem engen Raum der Lagune nahe beieinander“, erklärt Eclercy, „und betrieben ein künstlerisches Ping-Pong-Spiel.“ Wie sehr diese bedeutende Riege um den Großmeister die Kunst Venedigs im 16. Jahrhundert revolutioniert hat, zeigt das Frankfurter Museum in acht spannenden Kapiteln – mit 106 Werken, davon allein 16 Gemälde, vier Zeichnungen und Druckgrafiken von Tizian.

Maria und die Heiligen im Dialog

Spektakulär ist der Auftakt in der in dunklem Mauve-Ton gehalten Schau: Veroneses großformatiges Gemälde „Ruhe auf der Flucht nach Ägypten“. Klar, die sacra conversazione, das heilige Gespräch, ist eines der beliebtesten Sujets der Zeit. Doch der Dialog kann ganz unterschiedlich ausfallen: Während in Giovanno Bellinis „Madonna mit Kind, Johannes dem Täufer und der heiligen Elisabeth“ (um 1500) jeder in eine andere Richtung blickt, schildert Lorenzo Lotto (um 1508) eine innige Szene zwischen Madonna, Heiligen und Kind. Voller Farbenpracht dann zwei Jahrzehnte später Tizians berühmte „Madonna mit dem Kaninchen“.

Nymphen in Arkadien

Nein, noch gibt es keine autonome Landschaftsmalerei, aber die Menschen vor den immer wichtiger werdenden Landschaftseindrücken und -stimmungen befinden sich auf dem Rückzug. Beispiel: In Jacopo Bassanos „Pastoraler Szene“ (um 1560) wird die Bauernfamilie, die sich von der Ernte ausruht, im linken unteren Bilddrittel von Bäumen und einer enormen blauen Bergkulisse überragt. Fabelhaft: Tizians frühes Meisterwerk „Noli me tangere“ (Christus erscheint Maria Magdalena), um 1514, das sich schon damals an die Kunstkenner richtete.

Poesia und Mythos

Die bekamen einen Mehrwert, denn die venezianischen Maler sahen sich auch als Poeten und begnügten sich nicht mit der Illustration antiker Geschichte(n). Vielleicht gerade deshalb bleiben manche Bilder rätselhaft, etwa Tizians „Triumph der Liebe“, in dem ein pummeliger kleiner Amor auf einem Löwenrücken balanciert.

Belle Donne

Sie wären die Topmodels der Gegenwart: Venedigs schöne, oft rätselhafte Frauen, die gerne – als Idealbild – auch einen Schuss Erotik ausstrahlen, wie Venetos „Flora“ (um 1520).

Gentiluomini

Ziemlich steif kommen dagegen die Männer auf ihren Porträts daher. Allerdings: Durch die Licht- und Schattensetzung auf ihren Rüstungen sind die kriegerischen Herren von Sebastiano del Piombo, Tizian und Bassano absolute Hingucker.

Colorita alla Veneziana

Jetzt kommt Farbe ins Spiel: „Nicht nur als Farbton, sondern auch als Material“, sagt Bastian Eclercy. Will heißen: Die raue und zähe Struktur der Farbe bestimmt den – deutlich sichtbaren – Pinselstrich. Und während man in Florenz die Farbe noch in der Apotheke kauft, würdigt Tizian seinen Farbenhändler Alvise Gradignan dalla Scala mit einem großartigen Bildnis – vor einem in prächtigen Farben leuchtenden Abendhimmel.

Florenz in Venedig

Ein Blick in Richtung Konkurrenz schadet nie, ist doch Michelangelo zwischen 1501 und 1504 dort mit seinem „David“ beschäftigt. Auch die Venezianer können Sixpack, etwa Tizian in seinem muskelbepackten „Heiligen Johannes der Täufer“ (1530-1533):

Epilog

Wen haben sie nicht alles beeinflusst, diese Venezianer: El Greco, Rubens, Tiepolo, um nur einige in der Ausstellung vertretene Maler zu nennen. Selbst der deutsche Star-Fotograf Thomas Struth hat sie in seiner Serie der Museumsbilder festgehalten. Und wer genau hinschaut, entdeckt in seiner Aufnahme aus dem Pariser Louvre Tizians „Madonna mit dem Kaninchen“. Spannender könnte sich ein Kreis kaum schließen.

Vortrag im PZ-Forum und Kunstfahrt

Der Vortrag von Claudia Baumbusch über Leben und Werk Tizians im PZ-Forum ist ausgebucht. Die Kunstfahrt ins Frankfurter Städel-Museum findet am Samstag, 2. März, statt. Infos und Buchung beim Pforzheimer Reisebüro, Telefon (0 72 31) 3 02–2 12.

Die Ausstellung im Städel ist bis 26. Mai täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr sowie donnerstags und freitags bis 21 Uhr geöffnet.

Rundgang im Internet:

tizian.staedelmuseum.de