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18.12.2015

Mit einer zeitlos frechen Lausbuben-Miene

Pforzheim. Der 82-jährige Kabarettist Emil Steinberger begeistert das Publikum im Kulturhaus Osterfeld.Sein Publikum ist ihm treu ergeben: Eidgenosse Emil Steinberger, unverwüstliche Kultfigur mit Luzerner Wurzeln, bescherte dem Kulturhaus Osterfeld einen restlos ausverkauften großen Saal.

Zuletzt gastierte der inzwischen 82-jährige Komiker Mitte 2012 und Ende 2014 an gleicher Stelle: Diesmal präsentierte er ein Solo-Programm, in dem die besten Glanznummern – einschließlich des legendären „Ein-Mann-Polizeireviers mit Anrufbeantworter“ – noch einmal fröhliche Urstände feiern durften.

Emil schafft es noch immer, auf kürzestem Weg seine Zuschauer zum Lachen zu bringen. Eine winzige Grimasse, eine andere Brille, dazu das konsequent in Schwyzerdütsch zu „Nüüorrg“ verfremdete New York reichen bereits völlig aus. Und eine regelrechte Zwerchfellattacke ist sein munter gebrochenes Französisch, mit dem er lange den Dialog mit einem Belgier im gleichen Zugabteil versucht – „schick, schick“ –, dann aber unvermittelt abbricht mit der knappen Bemerkung: „Ja komm’, hat doch keinen Wert.“ Requisiten benötigt Emil kaum. Sein Zugabteil mit dem imaginären Belgier deuten vier Stühle an; für die anschließend gespielte Autofahrt genügen Emil zwei. Im Wagen lässt der Schweizer seiner gespielt miesen Laune freien Lauf: „Muss ich die Sicherheitsgurte wieder verstellen! War er wieder fressen?“ Und „Aargauer“ spricht er im Straßenverkehr so geringschätzig aus wie die Goldstädter im Publikum allenfalls „Calwer“. Fraglos ist Emil mit seinem Publikum gealtert. Doch wie er mit seinem frechen und zeitlosen Lausbubenlächeln diesen Fakt streift – und munter Kurse für „Forstgeschnittene“ propagiert wie das „Schützenpanzerfahren für Rentnerinnen“ oder wie er eisern am Telex festhält, das für einen seiner Kult-Sketche mit Kreuzworträtsel eben immer unverzichtbar bleiben wird, hat rein gar nichts von trivialer Senioren-Bespaßung. Zugegeben, ein bisschen Wehmut schwingt natürlich mit, wenn er seinen schon zu Roncalli-Zeiten in den 1980er-Jahren ersonnenen Telefondienst im Polizeirevier noch einmal zur hellen Freude des Publikums genial aufführt.

Freilich aber nur, weil alle im Saal wissen, dass wahre Könner des augenzwinkernden Humors in Schweizer Mundart leider kaum mehr nachwachsen.