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Das Kulturhaus Osterfeld, ein über die Region bekannter Leuchtturm in der hiesigen Kulturlandschaft. Doch wie geht es weiter? Zunächst muss ein neuer Leiter gefunden werden.  Foto: PZ-Archiv/Frei 

Mit neuem Vorstand das Kulturhaus Osterfeld durch die Krise führen

Pforzheim. Er will das Kulturhaus sicher durch die Krise steuern und dabei gemeinsam an einem Strang ziehen, in vertrauensvoller Zusammenarbeit mit Mitarbeitern des Kulturhauses. Diese Ziele hat sich der am Montagabend bestellte Vorstand des Trägervereins des soziokulturellen Zentrums gesetzt. Mit einer offenen und transparenten Arbeitsweise solle nach dem Weggang des bisherigen geschäftsführenden Vorstands Andreas Mürle Kontinuität gewährleistet werden. Es gehe darum, die Zukunft des Kulturhauses gemeinsam zu gestalten und neue Generationen dafür zu begeistern.

Der Vorsitz des Vereins Kulturhaus Osterfeld wechselt alle zwei Jahre zwischen Penn-Club und Amateurtheaterverein. Zuletzt hatte ihn Reinhard Kölmel inne, nun übernimmt Melanie Denner. Die Teamleiterin Filmproduktion für Lernmedien bei SEW-Eurodrive kennt das Osterfeld seit ihrer Jugend. Sie ist seit 2008 im Penn-Club und hat vor und hinter der Bühne bei Produktionen des Amateurtheatervereins mitgewirkt. „Wir als neuer Vorstand möchten die vereinsübergreifende Kommunikation stärken und so entstandene Missverständnisse und Unstimmigkeiten ausräumen und klären“, sagt die 31-Jährige der PZ.

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Dass dies ein längerer Prozess wird, steht zu befürchten: Der alle zwei Jahre neu gewählte Kulturhaus Osterfeld e.V. – eine Art Aufsichtsrat des Hauses – setzte sich zuletzt zusammen aus je zwei Vorstandsmitgliedern des Amateurtheatervereins (ATV) und des Penn-Clubs, bei dem es während einer Versammlung Ende Juni wie berichtet zu einem Eklat kam. Danach war fraglich, ob der Club in der Lage sein würde, die Vorstandswahlen ordnungsgemäß über die Bühne zu bringen, was wiederum Voraussetzung war fürs Bestellen des Trägervereinsvorstands an diesem Montagabend. Die Brisanz: Wäre dies geplatzt, wäre das Osterfeld nach Andreas Mürles Abschied nun führungslos.

Das scheint abgewendet, beide Vereine haben einen Generationswechsel eingeleitet. So forderte auch Alexander Weber stellvertretend für den ebenso neu gewählten Vorstand des Amateurtheatervereins zuletzt Zusammenhalt. Man wolle das Erreichte bewahren und den „Leuchtturm in der Kulturlandschaft“ weiterentwickeln.

Mögliche Interessenskonflikte?

Um seine Personalie gab es am Montag Beobachtern zufolge aber Diskussionen: Der alte Trägervereinsvorstand habe gegen seine Bestellung ein Veto eingelegt – wegen eines möglichen Interessenskonflikts Webers als Mitarbeiter im Veranstaltungsbereich des Kulturamts. Denner wollte sich dazu nicht äußern, Weber war am Dienstag nicht erreichbar. Dass bei der Sitzung nicht alles glatt lief, liegt jedoch nahe: Denn laut Mitteilung setzt sich der neue Vorstand aus einem Trio statt wie zuvor einem Quartett zusammen: Melanie Denner und Markus Chu (Penn-Club) sowie Barbara Gerstenäcker (Amateurtheaterverein).

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Sie wollen die Geschäfte, so Denner, als Team führen, nachdem Mürle nach massiver Kritik an seiner Person wie berichtet um einen Aufhebungsvertrag gebeten hatte. Zudem sind in der Mitgliederversammlung Marcel Gutekunst und Maren Schmidt (Amateurtheaterverein) sowie Andreas Beckert und Ella Martin (Penn-Club). Auch der langjährige ATV-Vorstand Reinhard Kölmel bleibt bis Ende September in der Versammlung.

Das Vorstandstrio wolle jetzt so schnell wie möglich einen Leiter oder eine Leiterin fürs Kulturhaus einstellen. „Es liegen bereits einige interessante Bewerbungen vor, die wir diese Woche bearbeiten, um Kandidaten zu einem Gespräch einzuladen“, sagt Denner der PZ. Und betont: Das Haus sei samt dem Leiter der Finanzen, Erich Poschadel, sowie dem Leiter der Technik, Alexander Lauinger, voll handlungsfähig.

Das ist auch nötig, denn es werde zunehmend schwerer, die massiven Einbrüche an Einnahmen wegen des Coronavirus zu kompensieren. „Die Pandemie und ihre Auswirkungen halten uns seit März auf Trab und werden dies auch weiter tun, denn wir wissen nicht, ob sich die Lage noch einmal zuspitzen wird oder nicht“, so Denner. Das Programm fürs nächste Jahr sei jedenfalls bereits gebucht oder vorbereitet. „Wir legen großen Wert darauf, die ins Leben gerufene Programmgruppe weiter zu nutzen, und so Ideen für Künstler und Formate zu sammeln. Wir setzen auf die Kreativität und Ideen aller interessierter Personen“, sagt Denner.

Michael Müller

Michael Müller

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