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Als Schauspieler versteht es Dominique Horwitz, seine Lesung aus seinem Roman „Tod in Weimar“ zu einem lebendigen Ereignis werden zu lassen.  Seibel
Als Schauspieler versteht es Dominique Horwitz, seine Lesung aus seinem Roman „Tod in Weimar“ zu einem lebendigen Ereignis werden zu lassen. Seibel
09.12.2015

Mit seinem Debüt-Roman gastiert Dominique Horwitz in Pforzheim

Pforzheim. Er hat Theater gespielt, sich auf der Kinoleinwand und im „Tatort“ präsentiert, hat Chansons gesungen, Opern-Regie geführt – und jetzt seinen ersten Roman veröffentlicht. Dominique Horwitz hat Energie für vieles – das merken die Zuhörer im beinahe ausverkauften VolksbankHaus sofort. Es ist die Energie eines erfahrenen Unterhalters, der stets die Kontrolle behält, weiß, was wirkt – der so die Lesung seines ersten Romans „Tod in Weimar“ zum Erlebnis macht.

Und es ist eine Energie, deren unkontrollierte Seite den 58-Jährigen jüngst auch abseits der Bühne in die Schlagzeilen gebracht hat.

Anfang des Jahres fährt er durch die Innenstadt von Nagold, wird geblitzt, soll mehr als 30 Stundenkilometer zu schnell gefahren sein. Doch Horwitz legt Einspruch ein – ab heute wird der Fall am Amtsgericht Nagold verhandelt. Ob dann schon ein Urteil verkündet wird, ist unsicher. Ein anderes Urteil aber ist längst gefallen. Und zwar das über Horwitz’ Seitensprung mit der Literatur.

Horwitz als Kutscher

Ist er bloß ein weiterer Promi, der jetzt eben auch noch schreiben muss, weil es so schön ins kulturelle Portfolio passt, ja irgendwie auch ganz nett ist – mit dem eigenen Namen auf dem Buchdeckel und dem Wasserglas auf dem hell erleuchteten Lese-Tisch? Nein, Horwitz, ist mit seinem Erstling „Tod in Weimar“ ein veritabler Einstieg in die Schriftstellerei gelungen. Da sind sich die Zuhörer alle einig, die sich nach der rund 80-minütigen Lesung – meist begeistert – zu Wort melden. Und Horwitz hat sich einem bisher popkulturell vernachlässigten Thema zugewandt; einem das schwer Eindruck macht auf die deutsche Seele: Weimar. „Die Stadt ist der eigentlich Protagonist des Buchs“, sagt Horwitz. Weil es aber nebenbei auch ohne eine Hauptperson aus Fleisch und Blut nicht geht, hat sich Horwitz – transformiert und verändert, aber dennoch klar erkennbar – selbst zur Hauptfigur gemacht. In einer gänzlich unerfolgreichen Version.

Roman Kaminski ist Schauspieler wie Horwitz. hat nach Jahren der Nebenrollen – „Landesbühne Bruchsal, zu mehr hat’s nicht gereicht“ – dem Rampenlicht den Rücken gekehrt und verdingt sich nun als Kutscher in der deutschen Geistesmetropole Weimar. Dort, wo Goethe und Schiller weilten, ist alles zur Kulisse geworden – das ganze Land der Dichter und Denker in eine kleine Stadt gepresst. Kaminski ist Teil der Inszenierung, lebt mit seinem gänzlich unmodernen Fortbewegungsmittel von der Faszination für das Alte, darf fahrender Statist sein im großen Postkarten-Schwank „Kulturstadt Weimar“. Aber ganz so ruhig und behäbig ist die Stadt dann doch nicht.

Ein seltsames Seniorenheim

Kaminski hilft aus als Hausmeister im Seniorenheim, das von der umtriebigen Trixi Muffinger geleitet wird. Es ist kein normales Heim. Zwischen Stuck und prachtvollen Leuchtern tummeln sich exzentrische Ex-Schauspieler, Regisseure oder Tänzer, selbstbewusst, sexuell äußerst aktiv und mit Charakter-Macken aus dem Bilderbuch – eine Freakshow reinster Güte. Da gibt es die vollbusige, sich in enge Kleider zwängende Elfriede Sasse, immer mit einem Schimpfwort auf den Lippen. Oder die ehemalige Ballett-Tänzerin Hannelore Pütz, schwer verliebt – aber als Charakter zierlich und fragil. Sie hat allen Grund dazu, aufgelöst zu sein. Denn eine Mordserie erschüttert die Truppe, die sich daran gemacht hat, eine Aufführung von Schillers „Räubern“ auf die Beine zu stellen. Aber daraus wird nichts. Wie die Fliegen sterben die Ensemble-Mitglieder weg. Was bleibt Kaminski – dem Aushilfshausmeister – da noch übrig, als der Mordserie auf den Grund zu gehen. Und als ob das nicht genug wäre, steht er auch noch zwischen zwei Frauen: der resoluten Trixi und der liebenswerten Restaurant-Besitzerin Laura. Für wen sich Kaminski entscheidet, wird noch nicht verraten. Sein Vorbild Horwitz aber hat sich schon entschieden: „Bei Dreharbeiten in Weimar bin ich in ein Restaurant gekommen – und habe mich in die Chefin verliebt.“ Die ist jetzt seine Frau, beide leben in der Nähe der Stadt. Aus der Faszination ist Liebe geworden. Vielleicht geht es Horwitz ja ähnlich bei der Literatur. „Ich schreibe an meinem zweiten Buch“, sagt er. „Und ja, es spielt in Weimar.“