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Als Solistin und im Spiel mit weiteren Mitgliedern der Lienzingen-Akademie erfreut Elisabeth Brauß die zahlreichen Zuhörer.  Foto: Moritz 

Mit verträumten Charme verzaubert - Festkonzert zum Jubiläum „100 Jahre Uhlandbau“ in Mühlacker

Mühlacker. Franz Schuberts „Forellenquintett“ (Klavierquintett A-Dur, D 667) ist gewiss eine der unbeschwertesten Kammermusiken, die man sich denken kann. Zumal wenn die reizvolle Komposition so quicklebendig interpretiert wird, wie beim Festkonzert „100 Jahre Uhlandbau“ in Mühlacker. Die jugendlich frisch musizierenden Interpreten der Lienzingen-Akademie (Elisabeth Brauß, Klavier; Lorenz Chen, Violine; Yushan Li, Viola; Katarina Schmidt, Violoncello und Simon Wallinger, Kontrabass) formten daraus eine sich in Melodie und Klang heiter verströmende Lebensfreude.

Schubert hat das Gedicht „Die Forelle“ von Christian Friedrich Daniel Schubart in fünf Fassungen als Lied vertont. Wie wichtig ihm der lyrische Text war, zeigt die letztliche Ausformung des Klavierlieds als Quintett für Klavier und vier Streicher, wobei er die übliche zweite Violine durch Kontrabass ersetzte und im vierten Satz („Tema con variazioni“) nochmals fünf Variationen des Liedes komponierte.

Diese Werkbedeutung war in der Mühlacker Wiedergabe vom ersten bis zum letzten Ton zu spüren. Man glaubte, das Sprudeln und Quirlen des Bächleins, die an- und abschwellenden Wasserläufe und die darin hüpfende Forelle, aber auch den Angler, der ihr den Garaus macht, zu hören und zu sehen. Das war ein Springen, Trillern und Rauschen am Flügel, ein klangseliges Singen der vier Streicher: herrlich der kaum zu überbietende musikantische Schwung, die rhythmische und dynamische Feinarbeit. Welche Qualitäten die mädchenhaft verspielt wirkende, musikalisch versiert virtuose Pianistin Elisabeth Brauß zu bieten hat, zeigte sich auch in den beiden Klavierstücken, die sie den begeisterten Zuhörern solistisch präsentierte. Felix Mendelssohn Bartholdys „Variations sérieuses“ op. 54 entfalteten in staccatierten Formen, in Sechzehnteltriolen, Vorhalten und Synkopen Stimmungskontraste von großer Schönheit. Wolfgang Amadeus Mozarts zwölf Variationen über das französische Lied „Ah, vous dirais-je, Maman“ (Ach! Soll ich Ihnen sagen, Mama“) KV 265, dessen Melodie in Deutschland als „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ bekannt ist, verzauberten mit verträumtem Charme.

Aber auch die Streicher stellten höchstes musikalisches Niveau unter Beweis. Gioacchino Rossinis selten zu hörende Streichersonate A-Dur erfreute in der ebenfalls ungewöhnlichen Besetzung mit überbordendem Melodienreichtum. Es ist etwas Besonderes: Erfolgreiche junge Musikhochschulabsolventen, die als Solisten Wettbewerbspreise abgeräumt haben und erste Engagements mit großen Orchestern und Dirigenten vorweisen können, beschenken mit ihrer Musik nicht etwa ein ebenfalls jugendliches Publikum, das in klassischen Konzerten kaum zu finden ist, sondern auch die Generation der Rentner und Pensionäre, zu denen auch der Schreiber dieser Zeilen zählt.