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Mit Songs von Diana Ross, Marvin Gaye und Stevie Wonder begeistert das Gesangsensemble des Motown-Musicals. Foto: Frommer
Mit Songs von Diana Ross, Marvin Gaye und Stevie Wonder begeistert das Gesangsensemble des Motown-Musicals. Foto: Frommer
16.10.2015

Mitreißender Motown-Sound in Kulturhalle Remchingen

Nostalgie mit typischem Groove: Soul-Musik aus Detroit ist das Thema des Musicals „Motown – die Legende“. Am Donnerstag brachten jeweils fünf Motown-Darsteller und -Musiker die Kulturhalle Remchingen zum Mitsingen und -klatschen.

Der legendäre Motown-Sound wurde 1959 in einer abbruchreifen Garage in der Ford-Stadt Detroit vom afroamerikanischen Komponisten Berry Gordy erfunden. Der Sound sollte nach dem Willen des damals 29-jährigen Plattenproduzenten über drei Qualitäten verfügen: eine leicht mitzusingende Melodie, eine eigene Geschichte und einen Groove, der innerhalb der ersten 20 Sekunden den direkten Weg ins musikalische Gedächtnis der Zuhörer findet.

Großartige Hits produziert

Diesem genial einfachen wie überaus erfolgreichen Konzept verdankt die Welt beispielsweise die Tophits der Supremes, der Four Tops, der Jackson Five und der Temptations. Dank der unverkennbaren Songs und der Fülle an dunkelhäutigen Talenten wurde Gordys Plattenschmiede „Tamla Motown“ zum größten Label schwarzer Musik – und das zu einer Zeit, zu der den Afroamerikanern in den USA noch und Diskriminierung entgegen schlugen.

In der Kulturhalle Remchingen bewiesen nun fünf internationale Musical-Darsteller – Siggy Davis (USA, als Judy), Tertia Botha (Südafrika, Linda), David-Michael Johnson (USA, Syd), Wilson D. Michaels (USA, Lance) und Koffi Missah (Ghana/England, Zack) –, welch mitreißender Groove den Produktionen Gordys bis heute innewohnt. Obwohl das Remchinger Publikum überwiegend zu den „Best Agern“ gehörte: Bei Otis Reddings 1967 eingespielten und in der Kulturhalle mit hohem Tempo vorgetragenen Titel „Fa Fa Fa Fa Fa“ stand der Saal, klatschte, sang, tanzte.

Dass die Hits des 27-jährig, bei einem Flugzeugabsturz umgekommenen „King of Soul“ beim Label „STAX“ aufgenommen wurden und wie einige andere an diesem Abend gespielte Songs eher dem raueren Memphis Soul – und eben nicht dem glatten Motown-Sound – zuzuordnen sind, mag ein Schönheitsfehler sein, störte an diesem Abend aber sichtlich keinen.

Fünf gestandene Musiker – Richy Denis (Schlagzeug), Joscha Glass (Bass), Michael Hennig (Saxophon), James Mironchik (Keyboards) und Martin Werner (Gitarre) – komplettierten die mitreißende Show, die mir der Zugabe, einem Medley der Jackson Five, endete. Schön, dass Soul in Deutschland ein treues Stammpublikum hat – und schade, dass der rhythmische Sound, sei er nun aus Detroit oder aus Memphis, junge Zuhörer wohl nicht mehr erreicht.