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Verausgaben sich drei Stunden lang fürs Publikum: Modern Earl im „Exil“. Foto: Roller
Verausgaben sich drei Stunden lang fürs Publikum: Modern Earl im „Exil“. Foto: Roller
16.04.2018

Modern Earl bringen das Café „Exil“ mit kernigem Südstaaten-Rock zum Beben

Pforzheim. Den schwarzen Hut mit der roten Feder hat Christopher Hudson, genannt Earl, tief ins Gesicht gezogen. Wenn der US-Amerikaner den Oberkörper nach vorne beugt, um seine Gitarre zu bearbeiten, dann verdeckt er fast sein ganzes Gesicht. Minutenlang kann er so dastehen, die Augen auf die Saiten seines Instruments gerichtet, die er so lange malträtiert, bis er auch das letzte Bisschen an rauem Sound aus ihnen herausgekitzelt hat.

Hudson ist ein Vollblutmusiker. Einer, dem man ansieht, dass er Spaß daran hat, auf der Bühne zu stehen und sich für sein Publikum zu verausgaben. Zusammen mit Ethan Schaffner, Ben Hunt und Dan Telander bringt er am Freitagabend den Boden im Brötzinger Café „Exil“ zum Beben. Die vier nennen sich Modern Earl und sind schon seit rund zehn Jahren in Europa auf Tour. Drei Stunden lang spielt das aus Nashville und Denver stammende Quartett authentische Rockmusik, die sich nicht so leicht in eine Schublade stecken lässt: Kernigen Southern-Rock, gepaart mit Bluegrass und Psychedelic-Rock, zwischendurch auch mal etwas Traditionelles und ein bisschen Blues.

Die Gitarre steht im Mittelpunkt, gibt den Rhythmus vor, treibt die meist selbst geschriebenen Songs kompromisslos voran: mal stampfend, mal tanzbar, mal schnell, mal ruhig, mal melancholisch, mal aufgedreht, mal mit Ethan Schaffner am Banjo, mal mit einem ausgedehnten Solo von Schlagzeuger Dan Telander. Sie tragen Titel wie „Whiskey Sister“, „The State Of Me“ oder „Backwoods Betty“ vor. In ihnen geht es um alles Mögliche, etwa um die guten alten Tage oder um Frauen, die überall Haare haben.

Auf der Bühne geben die vier Musiker alles, spielen minutenlange Soli und präsentieren harmonische A-cappella-Einlagen. Mit seiner kräftigen, rauen Stimme singt Hudson in das Mikrofon, das er wahlweise mit einer oder mit beiden Händen fest umklammert hält. Immer wieder greift er zum Handtuch, um sich den Schweiß aus dem Gesicht zu wischen. Musikalische Höchstleistungen zu vollbringen, scheint anstrengend zu sein. „It’s sounding good and smelling good“, meint er grinsend.

Und als er am Ende des ersten Sets beide Arme weit nach oben reckt, tut es ihm das Publikum gleich, fast so, als hätte es nur darauf gewartet, mitmachen zu dürfen, zu klatschen, zu tanzen und „Yee-haw“ zu schreien. Die Musik zieht die Zuhörer in ihren Bann. Es ist voll im „Exil“. Immer wieder spenden die Gäste viel Applaus für eine musikalische Darbietung, die in dieser Form wohl einzigartig sein dürfte.